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Franz
Kugler (Kunsthistoriker): An der Saale hellem Strande
An der Saale hellem Strande
Stehen Burgen stolz und kühn,
Ihre Dächer sind zerfallen,
Und der Wind streicht durch die Hallen,
Wolken ziehen drüber hin.
Zwar die Ritter sind verschwunden,
Nimmer klingen Speer und Schild;
Doch, dem Wandersmann erscheinen
In den altbemoosten Steinen
Oft Gestalten zart und mild.
Droben winken schöne Augen,
Freundlich lacht manch roter Mund,
Wandrer schaut wohl in die Ferne,
Schaut in holder Augen Sterne,
Herz ist heiter und gesund.
Und der Wandrer zieht von dannen,
Denn die Trennungsstunde ruft;
Und er singet Abschiedslieder,
“
Lebewohl“ tönt ihm hernieder,
Tücher wehen in der Luft.
Franz von Kobell (Mineraloge): Burschen heraus!
1. Burschen heraus!
Lasset es schallen von Haus zu Haus!
Wenn der Lerche Silberschlag
Grüßt des Maien ersten Tag,
Dann heraus, und fragt nicht viel,
Frisch mit Lied und Lautenspiel!
Burschen heraus!
2. Burschen heraus!
Lasset es schallen von Haus zu Haus!
Ruft um Hilf' die Poesei
Gegen Zopf und Philisterei,
Dann heraus bei Tag und Nacht,
Bis sie wieder frei gemacht!
Burschen heraus!
3. Burschen heraus!
Lasset es schallen von Haus zu Haus!
Wenn es gilt fürs Vaterland,
Treu die Klingen dann zur Hand,
Und heraus mit mut'gem Sang,
Wär es auch zum letzten Gang!
Burschen heraus!
Christoph Friedrich Wedekind (Dichter): Krambambuli
1. Krambambuli, das ist der Titel
Des Tranks, der sich bei uns bewährt;
Er ist ein ganz probates Mittel,
Wenn uns was Böses widerfährt.
|: Des Abends spät, des Morgens früh
Trink ich mein Glas Krambambuli,
Krambimbambambuli, Krambambuli! :|
2. Bin ich im Wirtshaus abgestiegen
Gleich einem großen Kavalier,
Dann laß ich Brot und Braten liegen
Und greife nach dem Pfropfenziehr,
|: Dann blast der Schwager tantari
Zu einem Glas Krambambuli,
Krambimbambambuli, Krambambuli! :|
3. Reißt mich's im Kopf, reißt mich's im Magen,
Hab ich zum Essen keine Lust,
Wenn mich die bösen Schnupfen plagen,
Hab ich Katarrh auf meiner Brust:
|: Was kümmern mich die Medici?
Ich trink mein Glas Krambambuli,
Krambimbambambuli, Krambambuli! :|
4. Ist mir mein Wechsel ausgeblieben,
Hat mich das Spiel labet gemacht,
Hat mir mein Mädchen nicht geschrieben,
Ein'n Trauerbrief die Post gebracht:
|: Dann trink ich aus Melancholie
Ein volles Glas Krambambuli,
Krambimbambambuli, Krambambuli! :|
5. Ihr dauert mich, ihr armen Toren,
Ihr liebet nicht, ihr trinkt nicht Wein:
Zu Eseln seid ihr auserkoren,
Und dorten wollt ihr Engel sein,
|: Sauft Wasser, wie das liebe Vieh,
Und meint, es sei Krambambuli,
Krambimbambambuli, Krambambuli! :|
6. Und fällt der Bursche durch's Examen,
So schiert er sich den Teufel drum;
Er reiset doch in Gottes Namen
Keck in der ganzen Welt herum,
|: Und denkt, "Das war verlor'ne Müh!
Doch Mut, mir bleibt Krambambuli!"
Krambimbambambuli, Krambambuli! :|
7. Krambambuli soll mir noch munden,
Wenn jede and're Freude starb,
Wenn mich Freund Hein beim Glas gefunden
Und mir die Seligkeit verdarb;
|: Ich trink' mit ihm in Compagnie
Das letzte Glas Krambambuli
Krambimbambambuli, Krambambuli! :|
8. Wer wider uns Krambambulisten
Sein hämisch Maul zur Mißgunst rumpft,
Den halten wir für keinen Christen,
Weil er auf Gottes Gabe schimpft,
|: Ich gab ihm, ob er Zeter schrie,
Nicht einen Schluck Krambambuli,
Krambimbambambuli, Krambambuli! :|
Wilhelm Müller: Das Wandern ist des Müllers Lust
1. |: Das Wandern ist des Müllers Lust :|
Das Wandern
Das muß ein schlechter Müller sein
|: Dem niemals fiel das Wandern ein :|
Das Wandern
Das Wandern . . . . .
2. |: Vom Wasser haben wir’s gelernt :|
Vom Wasser
Das hat nicht Ruh' bei Tag und Nacht
|: ist stets auf Wanderschaft bedacht :|
Das Wasser
Das Wasser . . . . .
3. |: Das sehn wir auch den Rädern an :|
Den Rädern
Die gar nicht gerne stille steh'n
|: und sich bei tag nicht müde drehn :|
Die Räder
Die Räder . . . . . .
4. |: Die Steine selbst so schwer sie sind :|
Die Steine
Sie tanzen mit den muntern Rhein
|: Und wollen gar noch schneller sein :|
Die Steine
Die Steine . . . .
5. |: O Wandern, Wandern, meine Lust :|
O Wandern
Herr Meister und Frau Meisterin
|: Laßt mich in Frieden weiterziehn :|
Und wandern
Und wandern
Hermann Allmers: Dort Saaleck, hier die Rudelsburg
1. Dort Saaleck, hier die Rudelsburg,
Und unten tief im Tale
Da rauschet zwischen Felsen durch
Die alte liebe Saale;
Und Berge hier und Berge dort
Zur Rechten und zur Linken -
|: Die Rudelsburg, das ist ein Ort
Zum Schwärmen und zum Trinken. :|
2. Das wissen die Studenten auch
In Jena und in Halle
Und trinken dort nach altem Brauch
Im Hof und auf dem Walle.
Umringt von moosigem Gestein,
Wie klingen da die Lieder!
|: Die Saale rauscht so freudig drein,
Die Berge hallen wider. :|
3. O Vaterland, wie bist du schön
Mit deinen Saatenfeldern,
Mit deinen Talern, deinen Höhn
Und all den stolzen Wäldern!
O Vaterland, drum wollen wir
Dir unsre Lieder singen,
|: Zu deinem Preise sollen hier
Laut Herz und Becher klingen. :|
4. Wie tönet das ins Tal hinein
Vom Felsen hoch hernieder, -
Die Saale rauscht so freudig drein,
Die Berge hallen wider;
Und Berge hier und Berg dort
Zur Rechten und zur Linken -
|: Die Rudelsburg, das ist ein Ort
Zum Schwärmen und zum Trinken. :|
Johann Wolfgang von Goethe: Ergo bibamus! (1810)
1. Hier sind wir versammelt zu löblichen Tun,
Drum Brüderchen, ergo bibamus!
Die Gläser, sie klingen, Gespräche, sie ruhn;
Beherziget: ergo bibamus!
Das heißt noch ein altes, ein tüchtiges Wort
Und passet zum ersten und passet sofort
Und schallet ein Echo, vom festlichen Ort,
|: Ein herrliches: ergo bibamus! :|
2. Ich hatte mein freundliches Liebchen gesehn,
Da dach ich mir: Ergo bibamus!
Und nahte mich traulich, da ließ sie mich stehn,
Ich half mir und dachte: Bibamus!
Und wenn sie versöhnet euch herzet und küßt,
Und wenn ihr das Herzen und Küssen vermißt,
So bleibet nur, bis ihr was besseres wißt,
|: Beim tröstlichen Ergo bibamus! :|
3. Mich ruft mein Geschick von den Freunden hinweg;
Ihr Redlichen, ergo bibamus!
Ich scheide von hinnen mit leichtem Gepäck,
Drum doppeltes: ergo bibamus!
Und was auch der Filz vom Leibe sich schmorgt,
So bleibt für den Heitern doch immer gesorgt,
Weil immer dem Frohen der Fröhliche borgt:
|: Drum, Brüderchen: ergo bibamus! :|
4. Was sollen wir sagen zum heutigen Tag?
Ich dächte nur: ergo bibamus!
Er ist nun einmal von besonderem Schlag,
Drum immer aufs neue: bibamus!
Er führet die Freunde durchs offene Tor,
Es glänzen die Wolken, es teilt sich der Flor,
Da leuchtet ein Bildchen, ein göttliches vor,
|: Wir klingen und singen: bibamus! :|
Nach C.W. Kindleben: Gaudeamus igitur (1781)
1. |: Gaudeamus igitur,
Juvenes dum sumus; :|
Post jucundam juventutem,
Post molestam senectutem
|: Nos habebit humus! :|
2. |: Vita nostra brevis est,
Brevi finietur, :|
Venit mors velociter,
Rapit nos atrociter,
|: Nemini parcetur. :|
3. |: Ubi sunt qui ante
Nos in mundo fuere? :|
Vadite ad superos,
Transite ad inferos,
|: Hos si vis videre. :|
4. |: Vivat academia,
Vivant professores, :|
Vivat membrum quodlibet,
Vivant membra quaelibet,
|: Semper sint in flore! :|
5. |: Vivant omnes virgines
Faciles, formosae, :|
Vivant et mulieres,
Tenerae, amabiles,
|: Bonae, laboriosae! :|
6. |: Vivat et respublica
Et qui illam regit, :|
Vivat nostra civitas,
Maecenatum caritas,
|: Quae nos hic protegit! :|
7. |: Pereat tristitia,
Pereant osores, :|
Pereat diabolus,
Quivis antiburschius,
|: Atque irrisores! :|
Hans F. Maßmann: Ich hab' mich ergeben
1. Ich hab' mich ergeben
Mit Herz und mit Hand,
|: Dir Land voll Lieb' und Leben,
Mein deutsches Vaterland! :|
2. Mein Herz ist entglommen,
Dir treu zugewandt,
|: Du Land der Frei'n und Frommen,
Du herrlich Hermannsland! :|
3. Du Land, reich an Ruhme,
Wo Luther erstand,
|: Für deines Volkes Tume
Reich' ich mein Herz und Hand! :|
4. Ach Gott, tu' erheben
Mein jung Herzensblut
|: Zu frischem freud'gem Leben,
Zu freiem frommem Mut! :|
5. Will halten und glauben
An Gott fromm und frei;
|: Will, Vaterland, dir bleiben
Auf ewig fest und treu.
6. Laß Kraft mich erwerben
In Herz und in Hand,
|: Zu leben und zu sterben
Fürs heil'ge Vaterland! :|
Franz von Schober: Ich schieß' den Hirsch im wilden Forst
(1826)
1. Ich schieß' den Hirsch im wilden Forst,
Im tiefen Wald das Reh,
Den Adler auf der Klippe Horst,
Die Ente auf dem See;
Kein Ort, der Schutz gewähren kann,
Wo meine Büchse zielt!
|: Und dennoch hab' ich harter Mann
Die Liebe auch gefühlt. :|
2. Kampiere oft zur Winterszeit
In Sturm und Wetternacht,
Hab' überreist und überschneit
Den Stein zum Bett gemacht;
Auf Dornen schlief ich wie auf Flaum,
Vom Nordwind unberührt
|: Und dennoch hat die harte Brust
Die Liebe auch gespürt. :|
3. Der wilde Falk ist mein Gesell,
Der Wolf mein Kampfgespann;
Der Tag geht mir mit Hundsgebell,
Die Nacht mit Hussa an;
Ein Tannreis schmückt statt Blumenzier
Den schweißbefleckten Hut
|: Und dennoch schlug die Liebe mir
Ins wilde Jägerblut. :|
4. O Schäfer auf dem weichen Moos,
Der du mit Blumen spielst,
Wer weiß, ob du so heiß,
So groß wie ich die Liebe fühlst.
Allnächtlich über'm schwarzen Wald,
Vom Mondenschein umstrahlt,
|: Schwebt königshehr die Lichtgestalt,
Wie sie kein Meister malt. :|
5. Wenn sie dann auf mich niedersieht,
Wenn mich ihr Blick durchglüht,
Da weiß ich, wie dem Wild geschieht,
Das vor dem Rohre flieht.
Und doch! mit allem Glück vereint,
Das nur auf Erden ist,
|: Als wenn der allerbeste Freund
Mich in die Arme schließt. :|
Johann Victor von Scheffel: Im schwarzen Walfisch zu Askalon
1. Im schwarzen Walfisch zu Askalon,
Da trank ein Mann drei Tag',
|: Bis er steif wie ein Besenstiel
Am Marmortische lag. :|
2. Im schwarzen Walfisch zu Askalon,
Da sprach der Wirt: Halt an!
|: Der trinkt von meinem Dattelsaft
Mehr als er zahlen kann. :|
3. Im schwarzen Walfisch zu Askalon,
Da bracht' der Kellner Schar
|: In Keilschrift auf sechs Ziegelstein'
Dem Gast die Rechnung dar. :|
4. Im schwarzen Walfisch zu Askalon,
Da sprach der Gast: O weh!
|: Mein bares Geld ging alles drauf
Im Lamm zu Niniveh! :|
5. Im schwarzen Walfisch zu Askalon,
Da schlug die Uhr halb vier,
|: Da warf der Hausknecht aus Nubierland
Den Fremden vor die Tür. :|
6. Im schwarzen Walfisch zu Askalon,
Da schlug die Uhr halb neun,
|: Da kam der rausgeschmiss'ne Gast
Zur Hintertür herein. :|
7. Im schwarzen Walfisch zu Askalon
Wird kein Prophet geehrt,
|: Und wer vergnügt dort leben will,
Zahlt bar, was er verzehrt. :|
8. Im schwarzen Walfisch zu Askalon,
Da saßen zwei vom CV,
|: Die tranken zwar nur Apfelsaft
Und waren trotzdem blau. :|
9. Im schwarzen Walfisch zu Askalon,
Da saß Franz-Josef Strauß,
|: Der Wirt war von der SPD
Und warf Franz-Josef raus. :|
10. Im schwarzen Walfisch zu Askalon,
Da saß auch einst Heinz Schenk.
|: Er kriegte keinen Ebbelwoi,
Da hat er sich erhängt. :|
Eugen Höfling: O alte Burschenherrlichkeit! (1825)
1. O alte Burschenherrlichkeit!
wohin bist du verschwunden?
Nie kehrst Du wieder, goldne Zeit,
so froh und ungebunden!
Vergebens spähe ich umher,
ich finde deine Spur nicht mehr.
Oh jerum, jerum, jerum,
oh quae mutatio rerum!
Oh jerum, jerum, jerum,
oh quae mutatio rerum!
2. Den Burschenhut bedeckt der Staub,
es sank der Flaus inTrümmer,
der Schläger ward des Rostes Raub,
erblichen ist sein Schimmer,
verklungen der Kommersgesang,
verhallt Rapier- und Sporenklang.
Oh jerum, jerum, jerum,
oh quae mutatio rerum!
3. Wo sind die, die vom breiten Stein
nicht wankten und nicht wichen,
die ohne Spieß bei Scherz und Wein
den Herrn der Erde glichen?
Sie zogen mit gesenktem Blick
in das Philisterland zurück.
Oh jerum, jerum, jerum,
oh quae mutatio rerum!
4. Da schreibt mit finsterm Amtsgesicht
der eine Relationen,
der andre seufzt beim Unterricht,
und der macht Rezensionen,
der schilt die sündge Seele aus,
und der flickt ihr verfallnes Haus.
Oh jerum, jerum, jerum,
oh quae mutatio rerum!
5. Allein, das rechte Burschenherz
kann nimmermehr erkalten;
im Ernste wird, wie hier im Scherz,
der rechte Sinn stets walten;
die alte Schale nur ist fern,
geblieben ist uns doch der Kern,
und den laßt fest uns halten,
und den laßt fest uns halten!
6. Drum, Freunde! Reichet euch die Hand,
damit es sich erneue,
der alten Freundschaft heilges Band,
das alte Band der Treue.
Klingt an und hebt die Gläser hoch,
die alten Burschen leben noch,
noch lebt die alte Treue,
noch lebt die alte Treue!
Braun's Liederbuch für Studenten: 's gibt kein schöner
Leben (1845)
1. 's gibt kein schöner Leben
Als Studentenleben
Wie es Bacchus und Gambrinus schuf;
In die Kneipen laufen
Und sein Geld versaufen
Ist ein hoher, herrlicher Beruf.
Ist das Moos entschwunden,
Wird ein Bar gebunden,
Immer gehts in dulci jubilo;
|: Ist kein Geld in Bänken,
Ist doch Pump in Schenken
Für den kreuzfidelen Studio. :|
2. Auch von Lieb umgeben
Ist's Studentenleben,
Uns beschützet Venus Cypria.
Mädchen, die da lieben
Und das Küssen üben,
Waren stets in schwerer Menge da.
Aber die da schmachten
Und platonisch trachten -
Ach, die liebe Unschuld tut nur so;
|: Denn so recht inwendig
Brennt es ganz unbändig
Für den kreuzfidelen Studio. :|
3. Will zum Kontrahieren
Einer mich touchieren,
Gleich gefordert wird er augenblicks:
"
Bist ein dummer Junge!"
Und mit raschem Sprunge
Auf Mensur geht`s im Paukantenwichs.
Schleppfuchs muß die Waffen
Auf den Paukplatz schaffen,
Quarten pfeifen, Terzen schwirren froh.
|: Hat ein Schmiß gesessen,
Ist der Tusch vergessen
Von dem kreuzfidelen Studio. :|
4. Vater spricht: "Das Raufen
Und das Kneipenlaufen
Nützt dir zum Examen keinen Deut!"
Doch dabei vergißt er,
Daß er ein Philister
Und daß jedes Ding hat seine Zeit
Traun! das hieße lästern,
Schon nach sechs Semestern
Ein Examen! nein, das geht nicht so!
|: Möchte nie auf Erden
Etwas anders werden
Als ein kreuzfideler Studio. :|
Josef Buchhor: Student sein (1906)
1. Student sein, wenn die Veilchen blühen,
Das erste Lied die Lerche singt,
Der Maiensonne junges Glühen
Triebweckend in die Erde dringt.
Student sein, wenn die weißen Schleier
Vom blauen Himmel grüßend weh'n:
|: Das ist des Daseins schönste Feier!
Herr, laß sie nie zu Ende geh'n! :|
2. Student sein, wenn die Humpen kreisen,
In lieberschloss'nem Freundesbund
Von alter Treue bei den Weisen
Der Väter jauchzt der junge Mund.
Student sein, wenn die Herzen freier
Auf der Begeisterung Höhe steh'n:
|: Das ist des Lebens schönste Feier!
Herr, laß sie nie zu Ende geh'n! :|
3. Student sein, wenn zwei Augen locken,
Ein süßer Mund verschwiegen küßt,
Daß jahlings alle Pulse stocken,
Als ob im Rausch man sterben mußt'.
Student sein, in der Liebe Morgen,
Wenn jeder Wunsch ein frommes Fleh'n:
|: Das ist das Leben ohne Sorgen!
Herr, laß es nie vorübergeh'n! :|
4. Student sein, wenn die Hiebe fallen
Im scharfen Gang, der selbstgewählt,
Im blut'gen Aneinanderprallen
Der Mut sich für das Leben stählt.
Student sein, wenn dein einzig Sorgen,
Ob fest und tapfer du wirst steh'n:
|: An deines Leben Wagemorgen,
Herr laß die Zeiten nie vergeh'n! :|
5. Student sein, wenn im Abendschatten
Dein Weg sich sacht schon niederneigt,
Von West die Schar der Wolkenschatten
Schon vor das Blau des Tages steigt.
Student sein, wenn der Sang verklungen,
Der deinem Lenz einst Flügel lieh
|: Und jung du trotzdem mit den Jungen,
Dann war es recht, dann stirbst du nie. :|
August Schuster: Wütend wälzt sich einst im Bette
1. Wütend wälzt sich einst im Bette
Kurfürst Friedrich von der Pfalz;
Gegen alle Etikette
Brüllte er aus vollem Hals:
|: Wie kam gestern ich ins Nest?
Bin scheint's wieder voll gewest! :|
2. Na, ein wenig schief geladen,
Grinste drauf der Kammermohr,
Selbst von Mainz des Bischofs Gnaden
Kamen mir benebelt vor,
|: War halt doch ein schönes Fest:
Alles wieder voll gewest! :|
3. So? Du findest das zum Lachen?
Sklavenseele, lache nur!
Künftig werd ich's anders machen,
Hassan, höre meinen Schwur:
|: 's letzte Mal, bei Tod und Pest,
War es, daß ich voll gewest! :|
4. Will ein christlich Leben führen,
Ganz mich der Beschauung weihn;
Um mein Tun zu kontrollieren,
Trag ich's in mein Tagbuch ein,
|: Und ich hoff, daß ihr nicht lest,
Daß ich wieder voll gewest! :|
5. Als der Kurfürst kam zu sterben,
Machte er sein Testament,
Und es fanden seine Erben
Auch ein Buch in Pergament.
Drinnen stand auf jeder Seit:
Seid vernünftig, liebe Leut,
Dieses geb ich zu Attest:
Heute wieder voll gewest.
6. Hieraus mag nun jeder sehen,
Was ein guter Vorsatz nützt,
Und wozu auch widerstehen,
Wenn der volle Becher blitzt?
|: Drum stoßt an! Probatum est:
Heute wieder voll gewest! :|
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