Albert Deutschbein
Stichwort: Heimatliebe

„Aus den Augen, aus dem Sinn“ heißt ein Sprichwort. Die damit verbundene Haltung wurde von den ehemaligen Hallensern nicht praktiziert. Im Gegenteil, denn die Heimatliebe der Exil-Hallenser ließ beachtliche Opfer in die alte Heimat fließen. Dabei will ich von den freundlichen Sendungen zu Familien-Anlässen, also Nivea-Wiege zur Geburt, Kaffee und Schokolade zu den Geburtstagen, Delikatessen zu den Festen oder anderen Geschenken, absehen, es gilt vielmehr daran zu erinnern, zu welchen Geldopfern zugunsten der Stadt Halle es seitens der Betroffenen im Lauf der Jahre kam.

An anderer Stelle ist schon von der Bereitschaft der geflüchtet gewesenen Hallenser zu Finanzierung der Renovation des Stadtgottesackers und der Sanierung des Riebeckstiftes (jeweils bis drei Millionen) berichtet worden.

Heute sollen Objekte aufgeführt werden für die tatsächlich Bargeld geflossen ist.

Den größten Betrag schluckte ein Gerüst, mit dessen Hilfe der Dom und das Dach der Georgenkirche auf Vordermann gebracht werden sollte. Die Regierung der DDR verlangte allein für die Einfuhr des Gerüsts 21.000 Mark Zoll.

Einfacher ging es bei der Lieferung des Daches der St. Laurentiuskirche zu. Ebenso bei der Lieferung des Blattgoldes für die Marienkirche auf dem Markt. Eine finanzielle Unterstützung folgte zu Gunsten der Johanniskirche, der Böllberger Kirche und der Franckeschen Stiftungen.

Sachliche Leistungen kamen von alleinstehenden Hallensern und wurden im Archiv der Patenstadt Kaiserslautern aufbewahrt bis zur Auflösung der Vereinigung (ehemaliger Hallenser, NB) nach der Wende.

Weil wir nun wieder unkontrolliert nach Halle und zurück fahren konnten, lösten wir uns am 21. September 1991 in Kaiserslautern auf und übergaben die gesammelten Hallensia an den Oberbürgermeister von Halle Herrn Dr. Klaus Rauen.

Diese Sammlung umfasste nicht nur die 1.200 Exponate bezüglich unserer Heimatstadt, sondern auch zehn Stellwände (die wir für Ausstellungen während unserer Treffen und bei Halle-Ausstellungen im alten Bundesgebiet nutzten) und zehn große und zwei kleine Tischvitrinen.

Unsere Sammlung sollte in einem Haus zusammenbleiben. Das geschah leider nicht, sie ist jetzt auf zwei Häuser verteilt untergebracht: Stadtmuseum und Stadtarchiv.

Auf geistigem Gebiet erinnern wir an die durch die Hilfe der Vereinigung ehemaliger Hallenser zustande gekommenen Druckerzeugnisse. Nicht nur die Zeitung „Hallische Stadtnachrichten“ sorgte dafür, dass Halles Name nicht in Vergessenheit geriet, sondern acuh verschiedene Bücher. So z.B.:

Wilfried Stüven: Orgeln im halleschen Land vor 1800
Dr. Karl Aley: Vom Waisenknaben zum Waisenvater
Dr. Hans Hoffmann: Halle an der Saale
Dr. Hubert Post: Halle, eine liebe Erinnerung

Besonders hinweisen möchte ich auf die Serie von Friedrich Masch unter dem Titel „Halles Minderheiten“, die von den Halloren, Hugenotten, Juden, Pfälzern und den aus Salzburg vertriebenen Evangelischen in verschiedenen Formen berichtete.

Auch das, was folgt, zeigt, dass wir außerhalb Halles für unsere Heimatstadt agierten. Wir initiierten Sendungen im Radio und im Fernsehen, Zeitungen berichteten von unseren Ausstellungen ebenso wie von unseren Lichtbildervorträgen.

Schließlich bewegte ein Gerichtsverfahren zwischen dem Westdeutschen Rundfunk (Intendant Klaus von Bismarck) und unserer Vereinigung die Juristerei durch mehrere Instanzen bis zum Vergleich. Auch einen langjährigen Streitfall verursachte unsere Graf-Luckner-Preis-Austragung beim Renn-Rudersport.

Zusammengefaßt ist festzuhalten, dass es die Heimatliebe der Hallenser gewesen ist, die dafür sorgte, dass in aller Welt symbolisch Halles Fahne hoch gehalten wurde; der Hallenser Hans-Dietrich Genscher trug als Außenminister der Bundesrepublik Deutschland wesentlich dazu bei.

Weitere Stichworte:
Gegenfeier 1961
Klage gegen WDR
Lucknerpreis
Riebeckstift
Stadtgottesacker