Albert Deutschbein
Stichwort: Riebeckstift in Halle/Saale


Ein ehemaliger Hallenser erlebte nach seiner Flucht eine tolle Überraschung: er erbte mehrere Millionen Dollar in den USA. Das erlaubte ihm einen längeren Aufenthalt in New York.

Seine Ortsveränderung veranlasste eine ältere Tante von ihm, die im Riebeckstift in Halle lebte, sich an ihn mit der Bitte um Hilfe (für die Sanierung des Stifts, NB) zu wenden. Er sagte zu, wir besprachen die Durchführung.

Ein direktes Hilfsangebot an die Stadt Halle musste von vornherein aus politischen Gründen ausscheiden. Auch der Weg über unsere Patenstadt Kaiserslautern versprach keine Aussicht auf Erfolg.

So kamen wir auf den Gedanken, die eine Partnerschaft mit Halle anstrebende Stadt Karlsruhe einzuschalten. Karlsruhe sollte der Stadt Halle drei Millionen für die Renovation eines Altenheimes, dem Riebeckstift in Halle, zur Verfügung stellen. Dabei sollten die Namen vom Sponsor und seiner Tante bestimmt außen vor bleiben; lediglich die Partnerschaft war im Spiel.

Wir baten telefonisch in Karlsruhe um einen Termin beim Oberbürgermeister. Den bekamen wir und erschienen zu dritt (der Sponsor, ein Jurist und ich) und wurden von einem Oberamtsrat fortgeschickt, weil die Stadtverwaltung sich vertan hatte. Jedoch bekamen wir einen neuen Termin beim OB, weil wir als Grund für das Gespräch mit dem OB angegeben hatten, dass es sich um eine Spende für die Partnerschaft mit der Stadt Halle handele. Nähere Einzelheiten wollten wir dem OB selbst vortragen. Frohgemut fuhren wir zu diesem Termin und betrübt zurück, weil der OB irgendwo aufgehalten worden war und somit für unsere Unterredung nicht anwesend war.

Indessen blieb die arme Tante immer noch ohne sanitäre Verbesserungen.

Nach mehreren Telefonaten bekamen wir einen dritten Termin für das Gespräch mit dem Herrn Oberbürgermeister von Karlsruhe. Doch auch das ging schief.

Offensichtlich wollte Karlsruhe nicht, dass sein Verhältnis zur DDR und zu Honecker irgendwie belastet werden könnte. Das blieb so bis nach der Wende. Erst als der neue Oberbürgermeister von Halle Dr. Klaus Rauen eine Besichtigung der sanitären Anlagen im Riebeckstift erzwungen hatte, da sah er die schlimmen Verhältnisse, welche jene ältere Dame veranlasst hatte, um Hilfe zu bitten.

Jetzt, im Jahre 2006, ist das Gebäude saniert und der Riebeckstift ein bewohnbares Altersheim geworden.

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