Albert Deutschbein
Stichwort: Klage gegen den WDR

Das veritable Alter der Stadt Halle hat mehr Jahre auf dem Buckel als jene tausend Jahre, die Walter Ulbricht feiern ließ. Doch der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hielt sich ohne Kommentar an die Version der DDR. Dagegen protestierten wir, denn wir hatten genug unter der SED erlebt. Zunächst kam es zu einem Telefonat mit dem Hörfunkautor. Ohne Erfolg. Voller Wut darüber, dass der WDR ungeprüft SED-Propaganda verbreitete und unseren erlittenen Erfahrungen Hohn sprach bzw. den bundesrepublikanischen Äther mit solchen Sendungen verunsicherte, empfanden wir den Zwang, gerichtliche Schritte gegen den WDR einzuleiten. Wir veröffentlichten unsere Schriften und die Antworten des Prozessgegners jeweils in unserer Heimatzeitung, den Hallischen Stadtnachrichten. So besteht jetzt immer noch die Möglichkeit, die Wahrheit dieser Zeilen im Magazin des Stadtmuseums in der Lerchenfeldstraße in Halle nachzulesen. Auch bei diesem Prozess zogen sich die Verhandlungen über Jahre hin – bis es zu einem Vergleich zwischen uns und dem Intendanten des WDR, Klaus von Bismarck, dergestalt kam, dass der WDR fürderhin keine auf einen Gehalt von SED-Propaganda ungeprüfte Sendung bringen dürfe und, dass wir unsere Anklage zurücknehmen. Nun, wir hatten dem Intendanten ohnehin vor der Verhandlung nicht die Hand gegeben und haben das auch nach dem Urteilsspruch nicht getan.

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