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Besuch
aus der Heimat Der Eichendorff-Chor aus Ratibor in Halle (Saale), Sachsen-Anhalt Im Vorfeld der Planung für eine Wanderung von Halle zum Brocken auf den Spuren Josef von Eichendorffs gelang es der IfHaS e.V., einen kleinen Artikel darüber in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung unterzubringen. Frau Gabriele von Altrock las ihn, schickte mir eine Postkarte und bat darum, ich solle sie anrufen. Gesagt, getan. Aus dem Telefonat ergab sich die Vereinbarung, den Eichendorff-Chor aus Ratibor für das dritte Augustwochenende nach Halle (Saale) einzuladen. Frau von Altrock schickte auch Herrn Gerhard Simon das Programm, der davon so angetan war, dass er ankündigte, aus Anlass des Auftritts den Kulturpreis 2005 der Erika-Simon-Stiftung an den Chor zu verleihen. |
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Die Gäste aus Oberschlesien trafen am 18.8.05 in Halle (Saale) ein und wurden begrüßt von Frau von Altrock, Herrn Norbert Böhnke, Herrn Dr. Piskorz (Kath. Gemeinde zur Heiligsten Dreifaltigkeit) und Herrn Wolfgang Kupke (Vertreter der vertriebenen Schlesier vor Ort). Ein abendlicher Spaziergang durch das alte Halle und eine kleine Einkehr unter freiem Himmel in Halles beliebter Kneipenmeile „Sternstraße“ schloss die Ankunft der Ratiborer ab. Der nächste Tag stand unter dem Motto „Die Musenstadt Halle stellt sich den Gästen aus Ratibor vor“. Nach dem Frühstück ging es mit dem Bus zu den Klausbergen, auf deren höchster Erhebung die Eichendorff-Bank steht. Von hier aus kann man den Giebichenstein sehen, auf dem Eichendorff Tiecks „Franz |
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| Hallischer Schlesier im Burschenwichs (1806), in: Einst und Jetzt, 6 (1961), Jb. für corpsstud. Geschichtsforschung | ||||
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Sternbalds Wanderungen“ las und so zum Romantiker wurde. Der Chor musste ca. 80 Treppenstufen bewältigen, um auf dem Plateau die Aussicht zu genießen. Lokalfernsehen und Lokalzeitung waren schon vor Ort, als pünktlich um 10:00 Uhr der Chor das von Gerhard Ziebarth (Ffm.) neu vertonte Gedicht „Bei Halle“ vortrug. Frau von Altrock fand ergreifende Worte, während im Hintergrund von Wolfgang Kupke und Blasius Hanczuch ein aus Lubowitz mitgebrachtes Eichenbäumchen eingepflanzt wurde. Zum nächsten Termin am Göbel-Brunnen auf dem Hallmarkt wurde der Chor mit dem guten polnischen Mercedes-Benz-Bus gebracht, dessen polnischer Fahrer bald die Ecken und Tücken der hallischen Innenstadt kannte und zu umfahren wusste. Die Herren Dr. Teichert, Hänel, Sprung und Kupke übernahmen je eine Gruppe zu zehn Ratiborern, zeigten ihnen die Innenstadt und führten sie zur Moritzburg, in deren Maria-Magdalenen-Kapelle Herr Hänel eine kleine Orgelmusik bot. Nach den Anstrengungen der Stadtführung meldeten die Gruppen an, mit dem Bus zur Ratskantine fahren zu wollen. Frau von Altrock verließ darauf sofort die Kapelle, fand zwei freundliche City-Service-Helfer, die sie zur Kantine geleiteten. Dort warteten schon Herr Heiko Alder (IfHaS e.V.) und das Ehepaar Rossa, so dass der Bus zur Moritzburg dirigiert und die müden und hungrigen Ratiborer zum Mittagessen gefahren werden konnten. Das Mittagessen schmeckte, der Nachmittag wurde für Einkäufe genutzt. Am Abend war der Chor Gast des Sommerfests des Ortsverbands Ost der Christlich-Demokratischen Union (CDU), Kreisverband Halle (Saale). Der Bundestagsabgeordnete Herr Dr. Christoph Bergner hob in seiner Ansprache hervor, dass die CDU immer auf der Seite der Deutschen im Osten, egal ob ausgewandert, vertrieben oder geblieben, gestanden hat und weiterhin steht. Auch der Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Kreisverbands der CDU, Herrn Bernhard Bönisch, fand passende Wort: Es sei langsam an der Zeit, dass auch wir Deutschen in der Bundesrepublik uns wieder des wundervollen Liedgutes erinnerten, das der Eichendorff-Chor an diesem Abend den Gästen des Ortsverbands vortrug. Neben dem einen oder anderen Bier, Würstchen und Steaks stieg die Stimmung, als der Chor und die sonstigen Anwesenden in schneller Reihenfolge vom Brandenburger Lied bis zu „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ ihr Repertoire ausprobierten. Zum Abschluß wurde das Lied der Deutschen in seiner dritten Strophe gesungen. Der nächste Tag stand unter dem Motto „Die Ratiborer stellen sich der Musenstadt Halle“ vor. Der erste Auftritt des Tages fand im Hospital St. Cyriaci et Antonii statt; die Bewohner des Altenheims genossen die vorgetragenen Lieder; wie sich herausstellte, befand sich neben Kornelia Danek eine weitere Dirigentin im Raum. Besonders herzerwärmend war, dass die Schriftführerin des Chors, Ernestine Rossa, unter den Bewohnern des Heims eine alte Bekannte aus der Ratiborer Heimat begrüßen könnte. Der Chor fuhr wieder zur Unterkunft, der hallischen Jugendherberge, die in einem alten, gutbürgerlichen, ehemals jüdischen Wohnhaus untergebracht ist und ruhte sich aus bzw. bereitete sich auf den großen Auftritt am Nachmittag im Stadthaus vor. Einige, so auch Herr Blasius Hanzcuch, eilten im Sauseschritt ans andere Ende der Stadt, um die im Christian-Wolff-Haus stattfindenden Vorträge von Dr. Josef Gonschior (Ratibor) und Dr. Volkmar Stein (Büdingen/Hessen) anzuhören. Besonders erfreulich war, dass sich Georg von Eichendorff, Ur-Ur-Ur-Enkel des Dichters, gemeinsam mit seinem Vetter, Philipp von Wallhoffen, unter die Zuhörer gesellte. Frau von Altrock dankte im Anschluss für die sich durch Werkinterpretation und Gedenkstätten-Dokumentation ergänzenden Vorträge. Nach einem guten Mittagessen (Königsberger Klopse) hatte der Chor Gelegenheit, sich ein wenig in der Jugendherberge auszuruhen, ehe zum Aufbruch Richtung Stadthaus geblasen wurde. Im Stadthaus begrüßte Frau Oberbürgermeisterin Ingrid Häußler die Gäste, insbesondere die Herren Simon, Reinhard Blaschke (Verein Haus Schlesien) und Dr. Gerhard Kaske (Landesgruppe Liegnitz in Deutschland). Der Präsident der Eichendorff-Gesellschaft, Herr Prof. Gunnar Och, erklärte, dass sich das Hallische Eichendorff-Jahr der IfHaS e.V. wohltuend von den anderen großen Gedenkfeiern (siehe Schiller) abhebe, da hier versucht werde, dem Dichter in der Praxis, durch Wanderungen, Singen und Schwimmen, auf die Spur zu kommen. Der Ur-Ur-Ur-Enkel des Dichters, Georg von Eichendorff, fragte nach dem tatsächlichen Urheber des Auftritts des Chors und konnte ausmachen, dass es viele Faktoren seien, die hier eine Rolle gespielt haben. Der Geist der Grenzüberschreitung, der Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Polen spiele aber die wichtigste Rolle. Frau Ernstine Rossa verlas das Grußwort des Landrats von Ratibor, Henryk Siedlaczek, der sein Bedauern äußerte, nicht anwesend sein zu können. Herr Siedlaczek betreute in Ratibor zeitgleich eine Delegation aus dem märkischen Partnerkreis. In einem persönlichen Anschreiben an Frau von Altrock, das aus Zeitgründen nicht verlesen werden konnte, würdigte der Landrat insbesondere den Einsatz von Frau von Altrock. Ihr Engagement habe Ausdruck gefunden in langjähriger Unterstützung des Eichendorff-Chors und damit in der Beförderung des grenzüberschreitenden Kulturaustausches. Frau Rossa überreichte im Auftrag des Landrats einen zweisprachigen, bebilderten und kürzlich erschienenen Eichendorff-Band. Adrian Sobek vom Eichendorff-Zentrum in Lubowitz richtete beste Grüße aus dem Geburtsort des Dichters aus. Nach den vielen Grußworten kam endlich der Chor „zu Wort“. Im ersten Teil des Auftritts wurden Vertonungen von Eichendorff-Liedern gesungen, im zweiten Teil Heimat- und Volkslieder. Das Publikum war begeistert; nach zwei Zugaben musste ich eine weitere unterbinden, da im Anschluss weitere Termine anstanden. Frau Kornelia Danek erhielt von Frau Oberbürgermeisterin und dem Vorsitzenden der IfHaS e.V. als symbolische Anerkennung je einen bunten Blumenstrauß. In der folgenden Laudatio machte Frau von Altrock klar, warum sich der Chor den Kulturpreis der Stiftung verdient habe: Die Tradierung der deutschen Kultur und Sprache und die Weitergabe des Eichendorffschen Gedankengutes gelinge durch die Musik am unmittelbarsten über Grenzen hinweg; die starke Resonanz des Eichendorff-Chors, in dem auch polnische Staatsbürger polnischer Nationalität mitsingen, über die engere Heimat hinaus zeige, dass es lohne, Eichendorff vor der Vergessenheit zu bewahren. Viele Komponisten liessen seine Gedichte zu Volksliedern werden. Herr Gerhard Simon überreichte im Anschluss mit gewählten, klaren und deutlichen Worten den Vertretern des Chors, Herrn Lamla und Frau Rossa den Kulturpreis. Frau Oberbürgermeisterin lud darauf zu einem Sektempfang ein, bei dem der Chor nochmals sang und damit endgültig die Herzen der Hallenser eroberte. Flugs musste es jetzt wieder zur Jugendherberge gehen, da der Chor bereits mit einer halben Stunde Verspätung dem Termin in der Gemeinde zur Heiligsten Dreifaltigkeit nachkommen wollte. Dort warteten bereits gedeckte Tische, Gegrilltes und Bier auf die Mitglieder des Chors. Franziskaner-Bruder Martin, Pfarrer der Gemeinde, wechselte freundlich-fröhliche Worte mit seinen Gästen, Herr Dr. Piskorz und weitere Mitglieder der Gemeinde kümmerten sich rührend um den Ratiborer Besuch. Je später der Abend, desto besser die Laune: Trotz der Aufregungen des Tages wollte keiner gehen, als es immer später wurde. Die Gemeindemitglieder mischten sich unter die Gäste, es wurde gesungen und geschunkelt. Aber einmal musste Schluss sein, der Chor brach auf, bedankte sich bei den Gastgebern und fuhr frohgemut zur Übernachtung in die August-Bebel-Straße, dort befindet sich die Jugendherberge. Der nächste Tag, 21.8.05, brachte die Teilnahme an der Heiligen Messe in der Gemeinde zur Heiligsten Dreifaltigkeit. „Ave Maria“ wurde gesungen und vielen standen die Tränen in den Augen. Bruder Martin nutzte für seine Predigt auch Eichendorff-Gedichte, die er passend zitierte. Jeder wird diesen Besuch in guter Erinnerung behalten, manche wohl ein Leben lang. Nach einem Photo mit der Kirche im Hintergrund ging es zum Bus. Die Busfahrer wussten Bescheid, wie sie zur Autobahn Richtung Dresden/Breslau kommen würden. Trotzdem ließ ich es mir nicht nehmen, in alter Studentenmanier, den Freunden ein Komitat, eine Begleitung aus der Stadt heraus, zu geben. Eichendorff hat es so auch gemacht. Norbert Böhnke, 21.8.05 |
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