Hallisches
Eichendorff-Jahr 2005

Vorträge
jeweils 18:00 Uhr im Christian-Wolff-Haus, Halle (S.)

29.4.
HDoz. Dr. Hans-Joachim Kertscher (Halle):
"Wir waren die fahrenden Ritter"
Eichendorff als Student in Halle


Eichendorff kam an eine Universität und in eine Stadt, an der sich Umbrüche in mehrerlei Hinsicht abzeichneten: Die Hierarchie der Fakultäten kollidierte mit den Ansprüchen sich neu etablierender Wissenschaften. Das gesellige Leben in der Stadt erfuhr eine Bereicherung und Neubesinnung durch die Etablierung einer Salonkultur (Reichardt, Niemeyer). Die sich dem gesellschaftlichen Leben der Stadt öffnende Loge `Zu den drei Degen´ auf dem Jägerberg wird zu einem Zentrum kultureller Veranstaltungen vielfältiger Art. Schließlich wäre noch eine zunehmende Politisierung in der Studentenschaft im Gefolge der Französischen Revolution und vor allem der napoleonischen Kriege zu erwähnen. Der Vortrag will versuchen, die Person Eichendorffs in dieser widerspruchsvollen Zeit zu zeigen.


17.6.
Michael Hecht M.A. (Münster):
" ... ein tumultarisches Gedränge, daß der gantze Markt einer bewegten Woge glich".
Die Teuerungsunruhen am 15. Juni 1805 in Halle.

Im Sommer 1805 wurde Eichendorff kurz nach seiner Ankunft in Halle Zeuge gewalttätiger Hungerunruhen in der Saalestadt und der sich anschließenden Strafmaßnahmen des preußischen Staates gegen die Aufständigen. Der Vortrag beleuchtet die Ereignisse im Teuerungsjahr 1805 und fragt nach den Hintergründen des Tumults. Welche Konflikte führten zu den Aufsehen erregenden Protesten auf dem Markt und in den angrenzenden Straßen; welche Motive leiteten einen Teil der hallischen Einwohnerschaft, sich an den Unruhen zu beteiligen?

29.6.
Margrit Lenk (Halle):
“ Die Komödienzettel kamen des Morgens schon, gleich Götterboten, nach Halle”
(Joseph von Eichendorff)


Sie kamen aus Bad Lauchstädt. Kündigten sie Aufführungen wie `Egmont´, `Die Zauberflöte´ oder gar `Die Räuber´ an, dann war kaum ein Hallenser mehr in der Stadt zu halten. In hellen Scharen strömten sie – allen voran die Studenten - in den benachbarten Kurort. Warum die Hallenser den Marsch nach Bad Lauchstädt auf sich nehmen mussten, wenn sie Theater sehen wollten, was A. H. Francke und Friedrich II. damit zu tun haben und warum einige Theaterwissenschaftler die hallesche Theatergeschichte für außerordentlich interessant halten - das kann man erfahren beim theatergeschichtlichen Vortrag von M. Lenk. Er soll Aufschluss geben über die Theatersituation, die Eichendorff während seiner Studienzeit in Halle vorfand, aber auch über deren außergewöhnliche Vorgeschichte und die Vorgänge, die der klassischen `Lauchstädter Zeit´ folgten.


4.9.
Univ.-Prof. Dr. iur. Heiner Lück (Halle)
Eichendorffs hallische Rechtslehrer. Eine Momentaufnahme der Juristischen Fakultät aus dem Jahr 1805


Mit 17 Jahren kam Joseph von Eichendorff gemeinsam mit seinem Bruder im Jahre 1805 an die Universität Halle. Er wollte vor allem Vorlesungen an der juristischen Fakultät besuchen. Jedoch fand Eichendorff - wie andere bedeutende `Dichterjuristen´ - im Studium der Jurisprudenz kaum geistige Befriedigung. Kein Wunder: die Juristische Fakultät Halle war um diese Zeit nicht gerade mit den wirkungsvollsten Persönlichkeiten besetzt. Die Jahre um 1805 stellen sogar einen Tiefpunkt in der Geschichte der hallischen Juristenfakultät dar. Die Universität bot dem jungen Eichendorff dankbar angenommenen Ausgleich: Theologie bei Schleiermacher, Naturphilosophie bei Steffens, Klassische Philologie bei Wolf usw. In einem Kolleg des Anatomen Gall sah Eichendorff zum ersten Mal den in Halle weilenden Goethe. Dessen ungeachtet sollen die recht wenig bekannten Juraprofessoren einmal vorgestellt und gewürdigt werden.

11.10.
Dr. Otto Eberhardt (Würzburg)
Quellen und Bedeutungshintergrund des Taugenichts


In einem neuen Interpretationsansatz werden hier entscheidende Äußerungen Eichendorffs über die wahre romantische Poesie konsequent beim Wort genommen: Nach Eichendorffs Auffassung kann und soll die Dichtung zugleich andere Dichtung rezensieren, und sie soll "geistlich" orientiert sein. Tatsächlich erweist sich der Taugenichts zugleich als eine kritische Auseinandersetzung mit wichtigen Vertretern und Richtungen der deutschen Literatur vom Ausgang des Mittelalters bis zum Ende der romantischen Epoche, wobei die Bewertungen durch die mitlaufenden Aussagen auf der religiösen Ebene erfolgen. Nach der allgemeinen Vorstellung dieses Verfahren folgt die Konkretisierung an ausgewählten Textbeispielen.