Stadtjubiläum Halle (Saale) 2006
Wichtige Ergebnisse der Sahner-Studien (Bürgerumfragen)

Identifikation - Heimatverbundenheit

Dr. K. Rauen, Vorsitzender des Kuratoriums 1200 Jahre Halle an der Saale:

"Wie die von mir initiierten Bürgerumfragen ergeben haben, können sich die Hallenser mit ihrer Stadt nicht identifizieren. Warum ist das so? Das Jubiläum soll dazu beitragen, daß die Bürger sich mit ihrer Stadt stärker verbunden fühlen."

Fakten

> 52% der Hallenser fühlen sich eng mit ihrer Stadt verbunden. Mit zunehmender Lebensdauer nimmt die lokale Ortsgebundenheit zu.
> Nur 47,1 % der Hallener glauben, daß Halle eine Stadt ist, "in der man sich zu Hause fühlen kann". 72% finden, daß Halle eine traditionsverbundene Stadt ist.
> 79% glauben, daß sich Halle in Zukunft als Händel-Stadt präsentieren soll.

Der Stadt Halle zugeschriebene Eigenschaften
Halle ist... 1993
1995
1999
2001
...eine Stadt mit guten Zukunftsaussichten 45,8
49,1
25,8
18,3
...ein interessanter Standort für neue Unternehmen 59,8
44,1
26,6
22,4
...eine Stadt mit leistungs- und erfolgsorientierten Menschen 41,2
35,0
22,4
23,1
...eine bedeutende Hochschul- und Universitätsstadt 72,9
78,0
79,6
81,6
...eine Stadt der Kultur und Künste 53,0 61,0 65,8 63,2
Definition: Identität = Einzigartigkeit

"Identität ist eine auf Objekte und Personen bezogene und durch Austausch (Sehen, Sprechen, Erfahren) entstandene Einzigartigkeit, die, wenn sie sich lokal bündelt, regionale oder lokale Identität genannt werden kann. Sie ermöglicht problemlose Orientierung und Kommunikation und schafft lokale oder regionale Identifikation." (Sahner: Halle im Spiegel der Statistik, 2002, S.14)

Diese Definition sagt nichts über Wertungen aus. Sie unterscheidet nicht, ob der Hallenser eine positive oder negative Verbundenheit mit Halle empfindet. Trotz der auf dem "Tiefpunkt" angelangten Zuversicht der Hallenser bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt , hat sich die Verbundenheit auf bisher höchstem Niveau stabilisiert.

Erweiterungen der Definition: Positive Einzigartigkeit

Ziel des Stadtjubiläums soll nicht nur ein stärkeres Empfinden von Einzigartigkeit sein. Was nutzt es, wenn die Hallenser nach 2006 noch weitaus intensiver davon überzeugt sind, daß Halles Einzigartigkeit in "no future, no business, no success" besteht. Ziel des Stadtjubiläums soll ein stärkeres Empfinden positiver Einzigartigkeit sein. Die o.g. Definition muß also folgende Erweiterung erfahren:

"Identität soll eine auf positive Objekte und positive Personen bezogene und durch Austausch (Sehen, Sprechen, Erfahren) entstandene Einzigartigkeit sein, die, wenn sie sich lokal bündelt, regionale oder lokale Identität genannt werden kann. Sie ermöglicht problemlose Orientierung und Kommunikation und schafft positive lokale oder positive regionale Identifikation."

Zu positiven Objekten und positiven Personen können positive Formen menschlichen Zusammenlebens (Feste, Gebräuche) hinzukommen.

Differenzierung: Was empfindet wer als positive Einzigartigkeit?

Entscheidend ist jetzt die Frage nach der Definition des Positiven. Was empfinden die Hallenser als positiv, was die Ostdeutschen, was die Westdeutschen? Einigkeit besteht sicherlich darin, daß die in der Tabelle genannten Eigenschaften (Stadt mit guten Zukunftsaussichten, als interessanter Standort für neue Unternehmen, mit leistungs- und erfolgsorientierten Menschen) positiver Natur sind.

Im Rahmen eines Stadtjubiläums sind Objekte wie Personen in ihrem jeweiligen historischen Zusammenhang zu sehen. Ganze Gruppen von Objekten und Personen könnten so unterschiedliche Bewertungen erhalten und damit aus dem Spektrum positiver Identifikation herausfallen (Objekte und Personen aus der Zeit des Dritten Reichs bzw. der SBZ/DDR). Während der gebürtige Hallenser sich mit einem Objekt (Platte) oder einer Person (OB Pflüger) positiv identifiziert, könnten Westdeutsche diese Identifikation negativ bewerten. Diese Differenzierung ist für die Frage der Außenwirkung des Fests von grundlegender Bedeutung. Will die Stadt ihr Jubiläum für sich begehen oder möchte sie mit dem Fest - positiv - nach außen wirken? Wenn sie nur für sich feiern wollte, könnte sie sich hemmungslos eigenen Definitionen von positiver Einzigartigkeit hingeben. Will sie das aber nicht, muß sie die Definitionen positiver Einzigartigkeit ihrer Lebensumwelt mit einberechnen.

(Ergänzung: Prof. Dr. Peter Wicke, "Rockprofessor" an der Humboldt-Universität Berlin, beantwortete in einem Interview die Frage nach der "unverwechselbaren" Präsentation ostdeutscher Städte wie folgt: Im Kern müsse man sich auf die gewachsene, eigene Identität besinnen. "Wer sich selbst verleugnet, wird sich nicht unverwechselbar präsentieren können." Die Städte in Ostdeutschland sollten sich "auf die vielen Teile in ihrer Geschichte besinnen, die vorzeigbar sind." Selbstverleugnung müsse durch ehrliches Selbstbewußtsein ersetzt werden. Dabei verwies Wicke auf den Erfolg der ostdeutschen Rockband `Die Puhdys´, die "auch unter den neuen Verhältnissenn nur das bleiben (können), was wir waren." - 19.12.04)