| Definition:
Identität = Einzigartigkeit
"Identität ist eine auf Objekte und Personen bezogene
und durch Austausch (Sehen, Sprechen, Erfahren) entstandene Einzigartigkeit,
die, wenn sie sich lokal bündelt, regionale oder lokale Identität
genannt werden kann. Sie ermöglicht problemlose Orientierung und Kommunikation
und schafft lokale oder regionale Identifikation." (Sahner: Halle im
Spiegel der Statistik, 2002, S.14)
Diese Definition sagt nichts über Wertungen aus. Sie
unterscheidet nicht, ob der Hallenser eine positive oder negative Verbundenheit
mit Halle empfindet. Trotz der auf dem "Tiefpunkt" angelangten Zuversicht
der Hallenser bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt ,
hat sich die Verbundenheit auf bisher höchstem Niveau stabilisiert.
Erweiterungen der Definition: Positive Einzigartigkeit
Ziel des Stadtjubiläums soll nicht nur ein stärkeres
Empfinden von Einzigartigkeit sein. Was nutzt es, wenn die Hallenser nach
2006 noch weitaus intensiver davon überzeugt sind, daß Halles Einzigartigkeit
in "no future, no business, no success" besteht. Ziel des Stadtjubiläums
soll ein stärkeres Empfinden positiver Einzigartigkeit sein. Die o.g.
Definition muß also folgende Erweiterung erfahren:
"Identität soll eine auf positive Objekte und positive
Personen bezogene und durch Austausch (Sehen, Sprechen, Erfahren) entstandene
Einzigartigkeit sein, die, wenn sie sich lokal bündelt, regionale oder
lokale Identität genannt werden kann. Sie ermöglicht problemlose
Orientierung und Kommunikation und schafft positive lokale oder positive regionale
Identifikation."
Zu positiven Objekten und positiven Personen können positive
Formen menschlichen Zusammenlebens (Feste, Gebräuche) hinzukommen.
Differenzierung: Was empfindet wer als positive Einzigartigkeit?
Entscheidend ist jetzt die Frage nach der Definition des Positiven.
Was empfinden die Hallenser als positiv, was die Ostdeutschen, was die Westdeutschen?
Einigkeit besteht sicherlich darin, daß die in der Tabelle genannten
Eigenschaften (Stadt mit guten Zukunftsaussichten, als interessanter Standort
für neue Unternehmen, mit leistungs- und erfolgsorientierten Menschen)
positiver Natur sind.
Im Rahmen eines Stadtjubiläums sind Objekte wie Personen
in ihrem jeweiligen historischen Zusammenhang zu sehen. Ganze Gruppen
von Objekten und Personen könnten so unterschiedliche Bewertungen
erhalten und damit aus dem Spektrum positiver Identifikation herausfallen
(Objekte und Personen aus der Zeit des Dritten Reichs bzw. der SBZ/DDR).
Während der gebürtige Hallenser sich mit einem Objekt (Platte)
oder einer Person (OB Pflüger) positiv identifiziert, könnten
Westdeutsche diese Identifikation negativ bewerten. Diese Differenzierung
ist für die Frage der Außenwirkung des Fests von grundlegender
Bedeutung. Will die Stadt ihr Jubiläum für sich begehen oder
möchte sie mit dem Fest - positiv - nach außen wirken? Wenn
sie nur für sich feiern wollte, könnte sie sich hemmungslos
eigenen Definitionen von positiver Einzigartigkeit hingeben. Will sie
das aber nicht, muß sie die Definitionen positiver Einzigartigkeit
ihrer Lebensumwelt mit einberechnen.
(Ergänzung: Prof. Dr. Peter Wicke, "Rockprofessor" an der Humboldt-Universität
Berlin, beantwortete in einem Interview die Frage nach der "unverwechselbaren"
Präsentation ostdeutscher Städte wie folgt: Im Kern müsse man sich auf die gewachsene,
eigene Identität besinnen. "Wer sich selbst verleugnet, wird sich nicht unverwechselbar
präsentieren können." Die Städte in Ostdeutschland sollten sich "auf die vielen
Teile in ihrer Geschichte besinnen, die vorzeigbar sind." Selbstverleugnung müsse
durch ehrliches Selbstbewußtsein ersetzt werden. Dabei verwies Wicke auf den
Erfolg der ostdeutschen Rockband `Die Puhdys´, die "auch unter den neuen Verhältnissenn
nur das bleiben (können), was wir waren." - 19.12.04)
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