Grünewald in Halle
IfHaS e.V. beteiligt sich mit Infostele an Bayerischer Landesausstellung
Wie die Stele in Wirklichkeit aussieht, sehen Sie am Ende der Seite!
Die IfHaS e.V. wird während der Bayerischen Landesausstellung "Das Rätsel Grünewald" mit einer Infostele präsent sein. Die Stele zeigt Schätze hallischer Frührenaissance (Dom, Residenz, Kühler Brunnen).
Unterstützen Sie den Erhalt hallischer Renaissance-Baudenkmale durch den Kauf eines Heiltums-Kalenders oder einer Heiltums-CD-ROM (s.u.)

Auszug aus den Texten:

Luther, Grünewald und Halle

Eine neue Schreckenskunde, die Luther und ganz Deutschland empörte, kam in diesen Tagen 1527 in die Mainstadt. Hofprediger Georg Winkler in Halle hatte sich verheiratet und lutherischen Gottesdienst in der Stiftskirche des Kardinals eingeführt. Auf Drängen des Mainzer Domkapitels, das für Erzstift Magdeburg gar nicht zuständig war, zitierte Albrecht ihn nach Aschaffenburg und entlässt seinen Lebensretter mit freundlicher Verwarnung. Das Mainzer Domkapitel aber lässt ihn am 23.4.1527 auf der Heimreise im Spessart niederhauen. (Zülch, 1954)

Grünewald, der sich im Mai 1527 in Frankfurt am Main aufhielt, mag von Winklers Ende gehört haben. Jedenfalls machte Grünewald in der Mainstadt sein Testament und deponierte dort seine Habe, bevor er - vielleicht auf der Flucht? - nach Halle aufbracht. Martin Luther schrieb im September 1527 "Allen lieben freunden Christi zu Halle" einen Trostbrief anlässlich des Mordes an Winkler:

Wohlan der Satan hatts gewislich gethan, Das Capitel zu Mentz weis ich nicht gewis (sage ich) zu beschuldigen, Aber das weis ich wol, Weil sie des orts das regiment gericht und schutz haben, Und sie mehr denn der Bischoff, walten, (wie ynn allen stifften gemeiniglich durch eide und pflicht die Bischoffe die hende gebunden haben, das sie yhrs Capitels so mechtig sind, als

Die IfHaS e.V. Infostele wurde unterstützt von:
Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt

Staatliche Galerie Moritzburg Halle

der Roland seines schwerds das sie Bischoffe heissen und sinds nicht Thumpfaffen sind bischoue und heissens nicht) thun sie nicht dazu, das solcher Mord gesucht und gestrafft werde (…).

Die Hallenser sollen sich, so Luther, über den Tod Winklers freuen: "Denn on zweifel, wo yhm würde der wechsel wundsch gegeben, das er mocht widder lebendig werden, odder lebendig blieben sein wurde er's fur war nicht thun, und uns viel mehr drumb straffen und sagen, wo yhr mich lieb hettet so wurdet yhr euch freylich frewen, das ich mit der weise bin hindurch komen vom tod zum leben, Denn was ist ynn diesem leben sichers? Heute stehet einer, morgen ligt er, heute gleubt einer recht, morgen fellt er ynn yrthum, heute hofft einer, morgen verzweifelt einer (…) Hie stehen wir, (wie S. Cyprianus sagt) teglich und on unter las, unter den spiessen und messern der teuffel die tag und nacht, wie die grymmigen lewen umbher gehen, stechen und hawen unter uns, wie ynn einen wallt, das man die exte sihet oben her plitzen, wie der psalter klagt, und wollen schlecht Gotts haus, das ist, die seinen, zu poden und zu asschen haben.

Luther war "Ausgangspunkt und Kronzeuge" für das bis heute überkommene Geschichtsbild Kardinal Albrechts, dass ihn "als phlegmatischen und mit etlichen anderen negativen Eigenschaften ausgestatteten genusssüchtigen Menschen" darstellt (Tacke, 1992).

Schon 1517 hatte Luther Erzbischof Albrecht gebeten, die Instruktion für Ablassprediger zurückzuziehen und Bedenken gegen die Art der Ablasspredigt geäußert. 1521 hörte der Reformator vom zweiten Reliquienfest und einer erneuten Ausgabe des hallischen Ablasses. Er zürnte Albrecht. Anfang Oktober schrieb Luther dem am kursächsischen Hof ansässigen Georg Spalatin: Er habe vor, den Kardinal in einer Schrift "Wider den Abgott zu Halle" wegen seines "Hurenhauses" - damit meinte er die Stiftskirche - öffentlich anzuklagen.

Erstmalig betrat Luther die Stadt Halle nach Albrechts Rückzug. Er predigte 1545f in der Marktkirche und übernachtete bei Justus Jonas, dem ersten evangelischen Pfarrer der Kirche, im "Goldenen Schlösschen". Nach Luthers Tod wurde sein Leichnam am 20/21.2.1546 in der Sakristei der Marktkirche aufgebart. Die vom Maler Lukas Furtenagel abgenommene Totenmaske befindet sich noch heute dort.

Der Vorstand transportiert den Grünewald-Pfeiler zum Transporter. Herr Thiele (Kathi Rainer Thiele GmbH) hatte freundlicherweise einen Ford Transit kostenlos zur Verfügung gestellt. Am frühen Abend des 23.11.02 verließ der Grünewald-Transport die schöne Musenstadt Halle Richtung Süden...

Foto: Günter Bauer
Kalender und CD-ROM sind Produkte aus dem Haus der Bayerischen Geschichte. Sie sind dort oder in der Staatlichen Galerie Moritzburg Halle käuflich zu erwerben (5.- bzw. 18.- €)