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Schicksal der Riebeckschen Sammlung* Carl Adolph Riebeck (1821-1883) hinterließ seinen Erben mit der Firma "A. Riebeck'sche Montanwerke Aktiengesellschaft" und einem Kapital von 10 Millionen Mark die führende Montangesellschaft in Mitteldeutschland. Große Tagebaue und Fabriken gehörten zu diesem Unternehmen, in denen vor allem Teer, Paraffin und Öl erzeugt wurde . Adolph Riebeck und seine Söhne Emil und Paul förderten, wie es Franz Otto ausdrückte, “in splendider Weise” Kunst und Kultur in Halle und waren stark sozial engagiert. Das bekannte Pflegeheim der Stadt, das Paul-Riebeck-Stift, zeugt noch heute davon. Emil Riebeck (1853-1885) hatte auf ausgedehnten Forschungsreisen eine außergewöhnlich umfängliche kunstgewerbliche und ethnographische Sammlung angelegt. Dem halleschen Publikum hatte er diese in den frühen 80er Jahren im alten Universitätsbibliotheksgebäude in der ehemaligen Reitbahn am Paradeplatz, heute steht an dieser Stelle das Physikalische Institut der Universität, vorgestellt. Danach gelangten noch zu seinen Lebzeiten die besten Objekte in die Museen von Berlin, Wien und Weimar. Angeblich hatten die halleschen Stadtväter die angebotene Schenkung ausgeschlagen, weil sich kein geeigneter Aufstellungsort bot. Paul Riebeck (1859-1889), der nach dem Tode seines Bruders Emil dessen Vermögen erbte, erhielt den verbliebenen Teil von etwa 700 Gegenständen aus dieser Sammlung. Als er im Ausland verstarb, wurde die Stadt Halle Universalerbin seines Vermögens. Somit gelangte nun doch der restliche Sammlungsbestand in städtischen Besitz . Zunächst sollte auf Wunsch der Testamentsvollstrecker diese Sammlung Aufstellung im zu erbauenden Riebeck-Stift finden, doch der Kurator des Städtischen Museums für Kunst und Kunstgewerbe, Franz Otto, überzeugte sie, diese seinem Museum zu übergeben. Im Gebäude am Großen Berlin trat die Handelskammer weitere drei Räume in der ersten Etage an das Museum ab, so daß die Sammlung dort seit März 1891 geschlossen unter dem Namen “Riebeck-Sammlung” gezeigt werden konnte . 1896 wurden die Objekte als “Riebeck-Sammlung aus dem Nachlaß Paul Riebeck” in das Inventar eingetragen. Daraus ist zu entnehmen, daß es sich um ein Konvolut der verschiedenartigsten Gebrauchs- und Luxusgegenstände aus China, Japan, Vorder- und Hinterindien, aber auch aus Persien, Griechenland, Ägypten, Palästina und dem Kaukasus handelte. Mit Porzellanen, Möbeln, Musikinstrumenten, Gebetsmühlen, Seidenbildern und -gewändern, Stoffen, Schuhen, Laternen, Waffen, Matten, Teppichen, Tonwaren und Elfenbeinarbeiten wurde den Museumsbesuchern ein großartiger Schaueffekt geboten. Auch diese Sammlung wurde nach 1910 in die Moritzburg gebracht, wo sie jedoch in der oben geschilderten Weise nicht mehr zu sehen war. Es fanden nur die künstlerisch wertvollen Objekte im Ausstellungsablauf Beachtung. Die vom halleschen Publikum ehemals so sehr bewunderte Sammlung wurde 1921 rigoros aufgelöst. Die hallesche Stadtverwaltung bat den Direktor des Städtischen Kunstgewerbemuseums in Leipzig, Richard Graul, um ein Gutachten. Am 29. Oktober 1920 teilte er als Ergebnis mit: “... habe ich heute die Riebecksche Sammlung orientalischer Kunstgegenstände auf ihre museale Brauchbarkeit besichtigt und bin zu der Überzeugung gekommen, dass sie ohne Bedenken zu Gunsten des Museums veräussert werden kann. Einige kunsttechnisch und kulturgeschichtlich interessante Gegenstände wurden zur weiteren Bewahrung im Museum empfohlen”. Neben historisierenden Gemälden, die unter Franz Otto in den Museumsbestand gelangten, wurde fast die ganze Sammlung Riebeck dem Kunst- und Auktionshaus Rudolph Lepke in Berlin zur Versteigerung übergeben. Zwischen dem 8. und 10. März 1921 gelangte das Gros zur Versteigerung und erzielte einen Nettoerlös von 60.705,30 Mark. Das Geld hinterlegte das Museum in der Stadthauptkasse. Am 6. Dezember 1921 wurde als letztes Objekt ein reich geschnitzter Elfenbeinzahn, den Emil Riebeck in Kanton gekauft hatte, für 20.100 Mark brutto versteigert. So brachte die Auktion dem Museum etwa 80.000 Mark ein. In welchem Sinne das Geld verwandt wurde, konnte leider nicht ermittelt werden. Zu vermuten ist, daß sich diese Rücklage durch die einsetzende Inflation auflöste . Die wenigen verbliebenen Kunstgegenstände dieser Sammlung wurden in die einzelnen Sammlungsbereiche eingegliedert. * zitiert aus Rita Gründig und Ulf Dräger: Kunsthandwerk und Design, Zur Geschichte der Sammlung, Bestandskatalog, Band 1, Staatliche Galerie Moritzburg, Halle 1997, S. 59/60 |
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