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"...so bleibt nur noch übrig, die Hallische Zwiebelleberwurst
hervorzuheben.":
Halle in den Memoiren des Peterhans von Binningen |
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Halle an der Saale
Ostern 1906 bestand Peterhans von Binningen - er hieß
natürlich anders, kein Mensch heißt Peterhans von Binningen - bestand
Peterhans von Binningen zu seiner und seiner Freunde Überraschung das
Einjährig-Freiwilligen-Examen am Stadtgymnasium zu Halle an der Saale.
Halle an der Saale war eine reizende Stadt!
Doch!
Es soll zugegeben werden, daß kein Mensch, der die Große Ulrichstraße
passierte, sich darauf versteift hätte, nun auch die Kleine kennenzulernen;
und in der Geiststraße mußte auch ein mit Heuschnupfen Bewaffneter
feststellen, daß hier infolge der zahlreichen beiden Delikatessengeschäfte
der Käse nicht nur über den Geist triumphierte, sondern auch
über die Braunkohle, die sonst allenthalben ihre führende Rolle
behauptete in jenem charakteristischen Dreigestank von Kohle, Käse
und essigsaurer Tonerde, der wie eine Glocke über der Stadt hing
und in der für die Bürger zum Einatmen bestimmten Luft lag,
einer Luft, die auch durch die Wiederausatmung seitens der Hallenser nicht
besser wurde.
Dennoch und um so bemerkenswerter ist es, behauptet der Chronist, daß
obige muffige, sauere Atmosphäre, von Generationen inhaliert, verarbeitet
und wieder abgegeben, auf das Kultur- und Geistesleben der Hallenser fast
ohne Einfluß blieb. Denn Halle war eine kunstsinnige Stadt, und viele
große Musiker hat sie in ihren Mauern verborgen gehalten.
Auch die Studenten liebten diese Stadt. Nicht so sehr wegen ihrer Universität
als um ihrer Mädchen willen, die sich wiederum nicht so sehr durch besondere
Schönheit auszeichneten als durch eine entwaffnende Natürlichkeit,
mit der sie sich gaben, wie sie waren, und so oft man es von ihnen verlangte.
Der Erfinder des Ausspruchs:
In Halle tummeln sich die Jungfrauen
wie die Walfische in der Saale
war natürlich ein elender Zyniker, wenn auch anerkannt
werden muß, daß er ein ausgezeichneter Kenner der faunischen Verhältnisse
der Saale und ihrer Nebenflüsse gewesen sein muß; denn diese Gewässer
führen wirklich keine Walfische.
Anstelle der fehlenden Walfische umspült die Saale im Tal romantische
Inselchen. Zum Beispiel die Rabeninsel. Sie wird ihrer traulichen Abgeschiedenheit
wegen von den Liebenden sehr gesucht und bald darauf ihrer Mücken
wegen von eben diesen Liebenden verflucht. Dabei soll man froh sein, daß
es nur Mücken sind und nicht Raben, die sich bei der Auswahl ihrer
Angriffsobjekte so wahllos gebärden. |
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BIOGRAFIE
In Mainz am 17.11.1888 geboren, in Halle aufgewachsen.
Schauspielunterricht in Berlin, erstes Engagement in Rostock (1907). Engagements
in Nürnberg und Berlin. 1911 verfasst er die Komödie "Der
Lampenschirm". 1920 erster Auftritt im Stummfilm; Heirat mit Valerie
von Martens (1923). 1938 Regie + Drehbuch des Films "Napoleon ist an
allem schuld"; ein Jahr später Emigration in die USA. Nach der
Rückkehr (1946) zahlreiche erfolgreiche Filme gedreht bzw. als Hauptdarsteller
mitgewirkt. Stirbt am 12.9.1960 in Grabs (Schweiz).
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Nebenstehender
Text aus: Curt Goetz und Valérie von Martens: Memoiren, Gesamtausgabe,
Stuttgart: dva, 1969: 9-11 |
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Und dann die Burgen!
An der Saale die Burgen!
Wer kennt sie nicht: die Moritzburg und die Ruine Giebichenstein! Welch trutzige
Festen! Erst kürzlich übertrotzten sie das Tausendjährige Reich,
ohne sich umtaufen zu lassen.
An der Saale hellem Strande
Stehen Burgen, stolz und kühn.
Ihre Dächer sind zerfallen,
Und der Wind streicht durch die Hallen,
Wolken ziehen drüber hin... |
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Moritzburg |
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Der Rabe von der Insel |
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Das ist nett von den Wolken.
Und das müssen sie ja auch, es sei denn, daß sie vorzögen,
um diese zugigen Ruinen einen Bogen zu machen.
Neben der Saale gibt es noch die Gerbersaale. Sie fließt mitten durch
Halle, ist etwas gelber als ihre große Schwester. In ihrem Gefälle
wurden Wellenbäder für die Hallenser errichtet. Manche führen
auch die trübe Färbung auf die Gerber zurück, die dort ihr
Handwerk treiben.
Wenn wir noch des Galgenberges Erwähnung getan haben, wo in alten Zeiten
die Hallenser gehenkt wurden, so bleibt nur noch übrig, die Hallische
Zwiebelleberwurst hervorzuheben. Und die Hallische Knackwurst. Auch die sogenannte
Schlackwurst. Und in diesem Zusammenhang die Halloren. Halloren sind Hallenser,
die die toten Hallenser beerdigen. Sie haben das Privileg, dem jeweiligen
Landeshaupt zum Neujahrestage eine Riesenschlackwurst und etwas Salz überbringen
zu dürfen, wofür sie eine neue Fahne und ein Pferd erhalten. Daß
sie aus dem Pferd die nächstjährige Schlackwurst machen, ist nicht
verbürgt. |
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Oberburg Giebichenstein |
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Die Gerbersaale
"Er dachte an die Juhchendjahre, wenn´s Fingestbier
im Tale jefeiert worre, wenn se uffem Morzkärchhowe um die Linde tanzen
taten un de vorlauten Junkborschen in der Järwersaale kärweten."
(Robert Moritz: s´ Fingstbier un worum die Järwersaale de Kärwersaale
hieß, in: Hallorengeschichten, 5.A., 1997) |
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Fast hätten wir das Kaiser-Wilhelm-Denkmal vergessen!
Da reitet auf der Alten Promenade, gegenüber von Grüns Weinstuben,
der alte Kaiser Wilhelm I., begleitet von Bismarck und Moltke - die zu Fuß
gehen müssen - , in einem geräumigen Wasserbassin spazieren. Zwei
nackte Meermädchen sind ganz außer sich über den hohen Besuch,
fassen sich vor Entzücken an die dicken Busen - jede an den eigenen natürlich
- und übergeben sich vor Freude. In hohem Bogen spritzen sie ihre Ergebenheit
dem Monarchen vor die Hufe. Er sieht aber auch zu prächtig aus, der weißhaarige,
ehrwürdige alte Herr in dem weiten wallenden Mantel der neuen Felduniform.
Daß der greise Feldherr in der Eile der Mobilmachung seinen Helm vergessen
hat, merkt man kaum. Barmherzige Studenten stülpten ihm in einer besonders
kühlen Nacht eine Studentenmütze auf, die aber von der Feuerwehr
wieder heruntergeholt wurde, weil sie erstens zu klein war und zweitens ganz
schief gesessen hatte, so daß es aussah, als ob die drei Herren Grüns
Weinstuben nicht erst zustrebten, sondern diese gerade verlassen hätten.
Jedenfalls hatte der Streich zur Folge, daß nachträglich das Haupt
des Monarchen mit einem Helm versehen wurde, während Bismarck und Moltke
weiterhin die ihren - die Helme, nicht die Häupter - in den Händen
tragen müssen, was ihnen im Sommer eher angenehm sein dürfte. Und
im Winter ist das Denkmal sowieso mit Brettern vernagelt.
Der Marktplatz ist nun freilich schön. Mit seinem Händel-Denkmal
und seiner Marienkirche. Wenn diese innen so schön ist, wie sie von außen
zu sein verspricht, so fällt das weniger ins Gewicht, da sie - wie alle
evangelischen Kirchen - meistens geschlossen ist.
Das Schönste an Halle - nach der Überzeugung weitgereister Leute,
sofern sie sich nicht genieren, diesen alten Witz anzubringen - sei jeoch
Halles Hauptbahnhof, der infolge seiner Eigenschaft als wichtiger Eisenbahnknotenpunkt
eine ideale Gelgenheit biete, diese Stadt nach allen Himmelsrichtungen zu
verlassen.
Glaubt ihnen nicht! Halle an der Saale beherbergt Peterhans von Binningens
Schülerliebe!
Sie war, ist und bleibt also eine reizende Stadt! |
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