Wilhelm Heymann
und die Ausstellung
"Deutschland und der Friedensvertrag" der "Liga zum Schutz der deutschen Kultur"
 
Organisation der Ausstellung "Deutschland und der Friedensvertrag"
der Liga zum Schutz der deutschen Kultur"

Am 31.10.1921 war in der 255. Nummer der Hallischen Nachrichten auf S.10 eine Anzeige der Liga zum Schutz der deutschen Kultur zu lesen. Die Liga lud zur Ausstellung "Deutschland und der Friedensvertrag" in die Städtische Oberrealschule am Wettiner Platz (heute: Gymnasium am Reileck, Rosa-Luxemburg-Platz). Der Ehrenausschuss der Ausstellung bestand aus Politikern, Industriellen, Verbandsvertretern und Mitgliedern der Universität (Tabelle).

Die Ausstellung wurde am 2.11.21 eröffnet. "Ausführung und Aufbau", so die Saale Zeitung (12.11.21), stammte von Heymann. Heymann hatte darüber hinaus vier Bilder (Danzig, Straßburger Münster, zwei Industriewerke in Königshütte) beigesteuert. Die Allgemeine Zeitung (26.11.21) lobte den "wirkungs- und geschmackvollen Ausbau, der von Herrn Architekt Heymann übernommen worden war." Die Saale-Zeitung berichtete am selben Tag gleichlautend.

"Reise-Pass des Deutschen Reiches für den Reichsdeutschen Herrn Wilhelm Heymann Architekt aus Halle (Saale). Personenbeschreibung des Inhabers: Statur: mittel, Haare: hellblond, Augen: graublau, Gesichtsform: oval, Besondere Kennzeichen: keine, welcher im Inlande reist."

Der Besucheransturm war gewaltig. Durchschnittlich sollen 900 bis 1000 Personen durch die Ausstellung geleitet worden sein (SZ, 12.11.21). 7000 Schüler schauten die Tafeln, Karikaturen und Trickfilme der Ausstellung an. Insgesamt nahmen "weit über 10 000" Besucher die Möglichkeit wahr, sich über den Versailler Vertrag zu informieren.

Die Ausstellung scheint auf halleschem Boden gewachsen zu sein. Die Allgemeine Zeitung (26.11.21) berichtet, dass die Ausstellung "auf ihrer Wanderschaft" zunächst in Bitterfeld gezeigt werde. Die Ausstellung habe "außerhalb von Halle" für Interesse gesorgt. Sie solle "in den mittleren Orten" gezeigt und sogar in den "kleineren Ortschaften" durch "Lichtbildvorträge" dem Publikum zugänglich gemacht werden. Der Artikel schließt: "Es kann erfreulicherweise festgestellt werden, daß die Wirkung der Ausstellung weit über die Mauern von Halle, weit über den Regierungsbezirk Merseburg hinausgegangen ist..."

Die politische Wertung des Versailler Vertrags war eindeutig. Die Ausstellung habe "aufgerüttelt" und diejenigen "aufhorchen" lassen, die Zeitverhältnisse kritisierten, aber nicht wüssten, "was Ursache und Wesen unseres wirtschaftlichen Tiefstandes" ist. Die Kernbotschaft, so die Allgemeine Zeitung (26.11.21), der Ausstellung lautete also: "Es soll und muß jeder wissen, daß der Friedensvertrag die eigentliche Verfassung für das deutsche Volk ist, die aber so ungeheuerlich ist, daß alle einmütig sich dagegen wenden müssen." (Sperrdruck i.O.) Die Hallesche Zeitung (29.11.21) berichtet ähnlich: "Der Friedensvertrag von Versailles, die eigentliche Verfassung für das deutsche Volk, denn alles, was heute ist und morgen kommt, wird bestimmt durch den Vertrag, muß allen Angehörigen unseres Volkes bekannt werden. Diese Aufgabe der sich die Liga unterzogen hat, aufzurütteln, aufhorchen lassen, muß jeder unterstützen, der nur denken kann."