Hallesche Veranstaltungs- und Heimatkalender

I. Veranstaltungskalender sind Freizeitplaner. Im Veranstaltungskalender, ob er nun "Monatsprogramm" oder "Bewegungsmelder" heißt, findet der Interessierte am Monatsanfang Veranstaltungshinweise für (fast) jeden Tag des Monats.

Für den Historiker kommunaler Alltagsgeschichte ist ein alter Veranstaltungskalender wie eine Fundgrube. Sind die im Kalender aufgeführten Veranstaltungen nach Kategorien geordnet, kann er als "Register" kommunaler Ereignisse dienen. Im Vergleich zur Tageszeitung ist die Arbeit mit einem Kalender weitaus zeitsparender und praktischer.

Natürlich schließt sich eine ganze Menge "quellenkritische" Fragen an; so ist es von Bedeutung, ob hinter dem Kalender eine planende Hand steckt, die das Freizeitverhalten der Menschen zu steuern sucht. Wäre dies der Fall, könnte eine Untersuchung der Kalender Antworten auf die Frage nach dem "Wohin?" der Steuerung geben. Andererseits könnte ein Kalender auch als "Dienstleister" für die Bürgergesellschaft funktioniern. Der Herausgeber steuert nicht, sondern sammelt eingehende Hinweise auf Veranstaltungen.

IfHaS e.V. stellt nach und nach - wie es die Zeit erlaubt - einige Kalender vor.

Monatsprogramm Halle

"Führer" und Partei

sind - unaufdringlich - omnipräsent. Schon auf der ersten Innenseite ruft Adolf Hitler zum 1. Mai auf. Der Kreisleiter der NSDAP, Dohmgoergen, und der Gauleiter, Eggeling, unterstützen das Anliegen des OB, ein Heimatmuseum in Halle einzurichten. S.7 zeigt einen "Hakenkreuz-anhänger aus Silber, vergoldet (...) 5. bis 6. Jahrhundert". Der "Theaterring der NSG. `Kraft durch Freude´" lädt zum Theaterbesuch (Logo). Die "NSG." hat ihre eigene Rubrik und kündigt Veranstaltungen ihrer "Ämter" an. Die acht "Parteidienststellen" werden im Adressteil erwähnt (Logo).

Die Frage "Was gibt´s im Mai?" steht am Anfang des Kalenders (27). Die Spielpläne des Stadttheaters und des Thalia Theaters folgen. Hier kurz und knapp die weiteren Kategorien: "Vorschau des Jahres 1938 I Konzert-Veranstaltungen, Tanzkunst I Ausstellungen, Messen und Märkte I Tagungen, Vorträge, Führungen, Kurse I Verwaltungsakademie für die Provinz Sachsen und Anhalt I NSG. `Kraft durch Freude´, Kreis Halle-Stadt I Sportliche Veranstaltungen I Kleinkunst und Varieté". Zwei Stadtplanausschnitte und eine tabellarische Aufstellung von "Museen, Sehenswürdigkeiten und Bauten" folgen. Zuletzt sind Adressen zu finden: Die der Städtischen Bäder, der Bibliotheken und Lesehallen, der Städtischen Volksbüchereien, der Musikbücherei, der Geschäftsstellen von Handel, Handwerk und Landwirtschaft, der Parteidienststellen, der Konsulate und Reisebüros.
Hallische Nachrichten unter Mitarbeit des Verkehrsvereins e.V. zu Halle und des Stadtamtes für Wirtschaft, Verkehr und Statistik (Hrsg.): Monatsprogramm Halle, Mai 1938, Vordere Umschlagseite
Die Ausgabe Mai 1938 wurde der Heimatpflege in Halle gewidmet. OB Weidemann rief zur "Errichtung eines Heimatmuseums" auf (S.4f). Der "Stadtarchivar" Hünicken berichtete über die "Förderung der Heimatliebe durch das Stadtarchiv". Interessant ist, dass der Stadtarchivar seit 1934 Führungen durch "Alt-Halle" anbot. "Tausende von Volksgenossen" seien bereits durch die Führungen "erfaßt" worden. Prof. Schulz schrieb über "Die Landesanstalt für Volkheitskunde im Dienste der Heimatpflege", Diakon Sonntag vom "Giebichensteiner Heimatbund an St. Bartholomäus" lud zu einem "Rundgang durch die Burg Giebichenstein" ein und Paul Leonhardt stellte den "Verein für Heimatkunde von Halle und Umgebung" vor. Prof. Sommerlad fasste die "Heimatarbeit" des "Thüringisch-Sächsischen Geschichtsvereins" zusammen. "Im Dienste der Heimatpflege" stand nach den Worten des Stadtbaumeisters a.D. Heymann der "Heideverein e.V. Halle (Saale)".
links: hintere Umschlagseite HK ´34
Der Heimatkalender für Halle und den Saalkreis

Schriftleiter des HK waren:
O. Schroeter (1920-29),
Erich Neuss (1930-33), H.J. Niehoff (1934- ?)

Der erste Heimatkalender (1920) gliederte sich in:

  • den Kalender (S.2-25) mit Zeichnungen von Alfred Wessner-Collenbey
  • Geschichten aus Halle und Umgebung von Otto Schroeter und Siegmar Schultze-Galléra
  • einen Aufsatz über "Die Utopia des Thomas Morus" (!) von K. Hemprich (40-48), der wenige Seiten später über "Hermann Löns, der Sänger der Heimatschönheit und der sinnigen Naturbetrachtung" (64-72) schreibt
  • einen Aufsatz "Kleinwohnungen und Siedlungen" (!) von Bruno Föhre
  • einen Aufsatz über "Gorch Fock" von Rektor P. Mehlhase aus Elsterwerda
  • Ratschläge für Küche, Haus, Garten und Feld
  • ein Verzeichnis der Märkte, Postgebühren, Trächtigkeitsperioden und eine "Anschriftentafel für den Saalkreis" (92-117)

Vorwort des HK für das Jahr 1926:

II. "Der Heimatkalender für Halle und den Saalkreis klopft zum siebenten Male an die Häuser und bittet um freundliche Aufnahme. Er kann es nicht lassen, immer und immer wieder um Liebe zu werben, und möchte nicht rasten, ehe ihm nicht jede Tür geöffnet, ehe er nicht in jedem Hause als ein langersehnter Freund betrachtet wird. Genießt er erst das Glück eines wahren `Hausfreundes´ - wie einst Peter Hebel seinen Kalender nannte - dann wird er hoffentlich sein Endziel erreichen können, überall Liebe zu säen, Liebe zur Heimat, die unserm armen Volke so not tut."

HK 1925: Erster Beitrag Erich Neuss´: Bilder aus dem halleschen Wirtschaftsleben vor 125 Jahren (93-96)

HK 1927: Register der acht Jahrgänge nach Ortschaften geordnet

HK 1930: Kalenderbilder von Hans Finsler ("Lehrer für Lichtbildkunst an der Kunstgewerbeschule i.d. Burg Giebichenstein")

Vorwort des HK für das Jahr 1929 (Zehn Jahre HK):

"(...) Als Mittel zur Wiedererweckung der Heimatliebe setzte schon lange vor dem Weltkriege das löbliche Bestreben ein, die Arbeiterbevölkerung durch Ermöglichung der Ansiedlung wieder seßhaft zu machen auf eigener Scholle. Demselben Zweck dient auch die Anlage von Schrebergärten für die werktätige Bevölkerung. Die Beschäftigung und der tägliche Umgang mit der Heimaterde macht diese ihrem Bearbeiter und Pfleger immer lieber und werter, und das darauf geerntete und mit dem eigenen Schweiß gedüngte Gemüse will uns besser schmecken als alles gekaufte. Aber viel wichtiger ist doch, daß der Schwerarbeiter nach hartem Tagewerk in staubiger Fabrikluft und zu fremdem Nutzen nun daheim in gesunder Atmosphäre und zu eigenem Vorteil sich leichterer Beschäftigung hingibt, die ihn wieder frisch und zufrieden macht." (28)

rechts: Linke Innenseite des HK-Umschlags 1934
unten links: Beilage zum Heimatkalender für Halle und den Saalkreis 1930, Foto: Finsler, Denkstein "Der Not": Gerhard Marcks

Geleitwort zum HK für das Jahr 1930 (Schriftleiter: E. Neuss)

Anlaß für den Wechsel des äußeren Erscheinungsbildes war der Ablauf der zweiten Amtsperiode OB Rives: Neuss stellte die "lebendige Gegenwart" der Stadt der "großen Gemeinde der Freunde unseres HK" vor. "Es ist eine alte, bittere Erfahrung: der Zeitgenosse geht vielfach blind an den Zeichen und an den Werken der Gegenwart vorüber, und indem er gar zu sehr mit der ihm stets als `gute alte Zeit´ erscheinenden Vergangenheit symphatisiert, ist er unfähig, den rechten Maßstab für das pulsierende Leben um ihn zu finden. Er nörgelt, er kritisiert, bemerkt die Schatten und übersieht geflissentlich das Zweckvolle und Schöne. (...) Die Ereignisse der letzten zehn Jahre haben ihm aber, mag er sonst darüber denken, wie er will, `tausend Möglichkeiten´ zu neuem Leben und Mitwirken gewiesen und an ihm ist es, sie zu nützen." (...)

  • Neuss: Moderne Kommunalpolitik im Lichte eines Vierteljahrhunderts
  • Göner: Naturschutz und Heide
  • Neuss: Heimatkunde und Kommunalpolitik
  • Neumeyer: Städtische Verkehrspolitik
  • ders.: Entwicklung des städtischen Grundbesitzes seit 1900
  • Neuss: Neuerwerbungen des Stadtarchivs
  • Meyer: 100 Jahre öffentliches Grünflächenwesen
  • Neuss: Die hallische Landschaft