Festansprache zum Knoblauchsmittwoch 2005
Sehr geehrte Knoblauchsmittwoch-Gesellschaft, sehr geehrte Honoratioren, liebe Hallenser, liebe Gäste!

Seien Sie alle auf das herzlichste gegrüßt und bedankt, daß Sie hier zum Knob-lauchsmittwoch so zahlreich und frohgelaunt erschienen sind, und das trotz der nicht gerade frühlingshaften Temperatur. Wir freuen uns, mit Ihnen zusammen den hallischen Knoblauchsmittwoch feiern zu können.

Der Knoblauchsmittwoch 2005 ist nun schon der sozusagen vierte Knoblauchsmittwoch der Neuzeit, leider schon der zweite unter eher widrigem Wetter. Aber nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit ist das ein gutes Omen für das nächste Jahr, in dem wir dann parallel zum Stadtjubiläum auch unser erstes kleines Jubiläum feiern können: das fünfte Mal Knoblauchsmittwoch im 21. Jahrhundert. Klein, aber fein wäre damit der Beweis erbracht:

Es ist möglich, eine in Vergessenheit geratene, sagen wir ruhig: die hallische Volksfest-Tradition schlechthin, ein über die Jahrhunderte gepflegtes authentisches Stadtfest wieder zu beleben.

Tradition ist nicht zuletzt der – heute würde man sagen – Standort, die Würfel-wiese. Hier wurde am Knoblauchsmittwoch zu reichlich Alkohol und beim Würfelspiel Knoblauch verzehrt.

Inzwischen haben wir, die Knoblauchsmittwoch-Gesellschaft zu Halle an der Saale, selbst Traditionen geschaffen. Es ist an der Zeit, diese einmal kurz zu erwähnen: Die wichtigste, weil jedermann ins Auge fallende ist die Kleiderordnung. Sie ist Werbemittel und Anknüpfungspunkt zugleich: Unsere Vorfahren feierten den Knoblauchsmittwoch zuletzt zu jener Zeit, als Frack und Zylinder des Bürgers Ehrenkleid darstellten. Dem eingedenk, und eben weil es „etwas hermacht“ und die Blicke auf sich zieht, kleidet sich der selbstbewußte Herr der Knoblauchsmittwoch-Gesellschaft in Frack und Zylinder, und, dazu passend, die Dame der Gesellschaft im feinen Kleid.

Daß sich die Gesellschaft am Leipziger Turm trifft, und nicht etwa gleich auf der Würfelwiese, hat mit dem Ziel zu tun, Hallenser von allen Seiten der Stadt, das heißt von der jeweiligen historischen Stadtgrenze sternförmig zur Festwiese ziehen zu lassen, eine Idee, die auszufüllen wir noch an Mitgliedsstärke ordentlich zu wachsen haben. Aber vielleicht sorgt das Stadtjubiläum für einen zusätzlichen Impuls.

An dieser Stelle seien die Namen der Musiker genannt, die uns mit ihrem Turmblasen vom Leipziger Turm das Signal zum Sammeln blasen: (...)

Eine wichtige Neuerung gegenüber dem historischen Knoblauchsmittwoch-brauchtum ist gewiß das Anschwimmen in der Saale, 6:30 Uhr an der Ochsenbrücke. Wir haben uns gedacht, die gesundheitfördernde Wirkung des Knoblauchs ist neben dem markanten Geruch meistens das Erste, was gemeinhin zur Sprache kommt, wenn wir Hallensern vom Knoblauchsmittwoch berichten. Machen wir daraus, daß am Morgen des Knoblauchsmittwoch der Hallenser einen nachpfingstliches Fitnessprogramm absolviert, als Ausgleich zum bierseeligen Abendprogramm, und damit einen weiteren Brauch wieder belebt: das Baden in der Saale, wie es unsere Großeltern und Urgroßeltern zu berichten wußten. Die Mutigen werden durch ein herzhaftes Frühstück bei Sonnenaufgang über der Peißnitz belohnt.

Und dann gilt es, noch ein alljährliches Ritual zu erwähnen, dem Norbert Böhnke und ich sich unterziehen müssen, sonst fehlte es uns am eigentlichen Gegenstand des Festes: dem Knoblauchzehenpellen. Und so haben wir schon so manchen Dienstagabend bis Mitternacht gesessen, meist halfen dann noch Freunde, um den Knoblauch am nächsten Tag in zumutbarer Einzelzehenform anbieten zu können und natürlich, um vorzukosten, was Sie anderntags auf der Festtafel serviert bekommen.
(Ulrich Hellem, Gesellschafter)