Festansprache zum Knoblauchsmittwoch 2006
Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Szabados,

Halle, die alte Musenstadt, feiert seit fünf Jahren wieder den Knoblauchsmittwoch.

Das Fest war 1870 verboten worden, von der kommunalen Polizei.

Warum?

Die vielen Hallenser, die jährlich zum Knoblauchsmittwoch - insbesondere aus dem Süden der Stadt - zur Würfelwiese pilgerten, hatten die 1867 angelegten Rasenflächen und Rabatten mehrmals zertrampelt – 1867, 1868 und 1869.

Das war dem Hallischen Verschönerungsverein unter seinem Vorsitzenden Hermann Fiebiger ein Dorn im Auge. So setzte er sich für ein Verbot ein – sein Freund, der damalige Polizeipräsident setzte es durch.

Wir, Ulrich Hellem und ich, haben das Fest 2002 nach 132 Jahren aus der Vergessenheit befreit.

Warum?

Wir suchten nach einer Möglichkeit, der Stadt und ihren Bürgern einen ganz eigenen Ausdruck für Lebensfreude und Heimatstolz zu geben.

Warum aber gerade der geruchsintensive und dadurch spalterische Knoblauch?

Hätten wir nicht besser ein „Rolandsfest“ oder ein „Saalefest“ oder ein „Fest der charmanten Charaktere auf den zweiten Blick“ ins Leben rufen sollen?

Nein.

Einerseits hätte es da keine Anknüpfung an eine altehrwürdige Tradition gegeben. Andererseits ist nichts auseinandertreibender, polarisierender als der Knoblauch.

Durch den Knoblauch ergeben sich neue Allianzen: Auf der einen Seite die Freunde des Knoblauchs, auf der anderen Seite dessen Feinde.

Und da das Parteibuch, die Schichtenzugehörigkeit, das Alter oder die Hautfarbe nicht festlegt, ob man dem Knoblauch zugeneigt ist oder nicht, lernen sich Leute kennen, die sonst nie zusammen gefunden hätten: Christdemokraten und Alt-Kommunisten, Sozial- und Liberaldemokraten, Arme und Reiche, Junge und Alte – Gelbe, Schwarze, Rote und Weiße.

Traurig ist nur, dass die polarisierende Wirkung des Knoblauchs auch die Lebensfreudigen und Heimatstolzen spaltet: Es gibt eben auch hier Freunde und Feinde des Knoblauchs.

Ich hoffe, dass sich in der Stadtverwaltung, für die wir Ihnen, Frau Bürgermeisterin, diesen wunderbaren Korb überreichen, eben solche Prozesse der Frontenverwirbelung einstellen, wie auf der Würfelwiese.

Das eine eint uns, das andere trennt uns. Der Knoblauch hat eindeutig trennende Wirkung – die Stadt Halle, und die Arbeit für ihre gute Zukunft, sollte uns einen.