Festansprache zumKnoblauchsmittwoch 2007

Herr Polizeipräsident,
werte Damen und Herren,
liebe Gesellschafter,
Hallenserinnen und Hallenser!

Warum dieser ganze Aufwand? Warum diese große Mühe, ein Fest zu organisieren, dass es so lange nicht mehr gegeben hat? Hätten wir nicht auch einen Beitrag zum größten Fest der Stadt, das Laternenfest, leisten können, statt ein eigenes aufzulegen?

Vielleicht liegt die Antwort darin: Es ist unser eigenes Fest. Es ist ein Fest, das wir selbst uns gegeben, das wir selbst geschaffen haben:

Es ist ein Fest nach unseren Wünschen. Ihre Anwesenheit, meine Damen und Herren, zeigt uns, dass unsere Wünsche nicht wesentlich von den Ihren unterscheiden.

Aus persönlicher Verbundenheit sind zwar auch einige hier, doch längst nicht die Mehrheit.


Was unterscheidet dieses Fest von anderen öffentlichen Festen?

Ich sehe drei Merkmale:

a) der Traditionsbezug
b) die Freiwilligkeit
c) die mitgliedschaftliche Offenheit und zeitliche Begrenztheit.

Sie sehen uns in Frack und Zylinder. Dahinter steckt unser Bemühen, Ihnen und der übrigen Öffentlichkeit zu verdeutlichen, dass das Fest – trotz 132 Unterbrechung – aus alter Zeit herrührt.

Es ist ein Bekenntnis zur Kontinuität der Geschichte dieser Stadt; wenn Sie wollen auch ein entschiedenes Bekenntnis zu dieser, zur heutigen Stadt Halle.

Natürlich steckt auch eine gute Portion Romantik in unserem Aufzug; Romantik verstanden als Sympathie gegenüber dem Alten, gegenüber dem Vergangenen – der Aufgehobenheit in Ewigkeit.

Wir unternehmen dieses Fest ohne Auftraggeber. Wir sind die Unternehmer, wir haben gesagt: Es ist gut und es macht Spaß und es ist richtig: Und darum wollen wir es machen.

Es erfüllt uns mit Freude, Sie hier zu sehen.

Ich habe gehört, dass einige hier sind, weil ihnen die Atmosphäre gefällt; einige sind hier, weil sie gerne unter freiem Himmel tanzen, einige vielleicht auch nur, weil sie neugierig sind.

Freiwilligkeit kann ansteckend sein. Ansteckend immer dann, wenn tatsächlich ein freier Wille dahinter steckt. Wenn man Knall auf Fall die ganze Sache hinschmeißen kann und es keine Konsequenzen gibt, weder finanziell noch personell. Höchstwahrscheinlich aber, das sage ich ganz gerne: Einen Kater, den gäb´s dann schon. Weil es doch ein schönes Fest ist.

An dieser Stelle auch einen Dank an unsere Teilhaber, die ihre Leistungen wie immer zum Selbstkostenpreis anbieten:

Familie Hündorf
Familie Krost
Familie Steinbicker
Famlie Köhler
die Brauerei Landsberg.

Jeder, meine Damen und Herren, kann Mitglied der Gesellschaft werden – für einen Tag, einmal im Jahr, ohne Kosten. Jeder kann sich am Mittwoch nach Pfingsten in Schale werfen und gemeinsam mit uns sich zu Halle bekennen.

Das mit dem Bekennen ist ja bekanntlich etwas schwer. Es gibt so viele Leute in dieser Stadt, die ein verqueres Verhältnis zu ihr und ihren Bewohnern haben. Hallenser tun sich – wir haben es oft gehört – nicht leicht mit ihrer Stadt. Aber es gibt weitaus mehr Leute in dieser Stadt, die sie innigst lieben – wenn sie nur mal darüber nachdenken würden. Diese Bekenntnisse bewahrt man aber lieber im Herzen auf, gesteht sich seine Liebe zur Stadt nur selbst, wenn überhaupt, ein.

Es braucht aber auch Bekenner an der Öffentlichkeit. Leute, die blind, ohne Reflektion, ihr Herz nach außen kehren und sagen:

Oh, Halle, was fehlst Du mir, bin ich mal weg,
Oh, Halle, das ist ´ne Stadt mit Charakter,
Oh, Halle, wenn ich Dir seh, mir komm´ die Tränen.

Wir singen ja nachher „An der Saale hellem Strande“, ein Bekennerlied, und dann wird´s dunkel sein.

Wer es also nicht über´s Herz bringt, sich offen zu bekennen, kann nachher beim Singen im Dunkeln seinen Gefühlen freien Lauf lassen.

Zuletzt eine andere Unterscheidung: Wir bauen auf das Kürze-Prinzip: „In der Kürze liegt die Würze“. Oder – auf einen beliebigen Redner bezogen - : Aufstehen, laut sprechen, Mund halten! Deshalb fängt unser Fest um 18:30 an und hört um Punkt 22:00 Uhr auf; wundern Sie sich also nicht, wenn kurz nach 22:00 Uhr der Abbau beginnt.

Zuletzt möchte ich noch darauf hinweisen, dass wir aus Anlaß des sechsten Knoblauchsmittwochs eine kleine Broschüre herausgebracht haben:

„Der Knoblauchsmittwoch in Halle an der Saale – Das älteste hallische Volksfest uns seine Geschichte in Dokumenten.“

Sie können das Heftchen für 3,-€ bei allen unseren Teilhabern erwerben. Dadurch unterstützen Sie uns in der Finanzierung der Kosten des Knoblauchmittwochs.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend und uns allen einen guten Verlauf des Fests.