| Festansprache
zum Knoblauchsmittwoch 2008
Es macht uns froh und – lassen Sie mich das hinzufügen – nach
6 jähriger Übung auch ein wenig stolz, daß es die Gesellschafter
und mit ihnen der Knoblauchsmittwoch in diesem Jahre endlich geschafft haben,
ein achtbarer amtlicher Vorgang, beachtet von Fachbereichsleitern und Ressortmitarbeitern,
Beigeordneten und dem ungezählten Heer des „Unbekannten Beamten“ zu
werden. Solchermaßen geadelt müssen wir hinfort nicht mehr fürchten,
ein Schattendasein als durch unbürokratisches Durchwinken privilegiertes
Ehrenamt zu fristen, sondern sind den Geschäftsbereichen städtischer
Hochjurisprudenz wie Falschparken oder öffentliches Wasserlassen auf
städtischen Plätzen gleichgestellt, ja – dank eines 3-stelligen
Gebührenbescheides solchen hierarchisch sogar übergeordnet.
Für diese huldvolle und unerwartete, gleichwohl verdiente Aufmerksamkeit
durch unsere vielgeliebte Obrigkeit, deren Entscheidungsfindung uns niederen
auf ewig unerfindlich zu sein hat, möchten wir uns in aller zu Gebote
stehenden Artigkeit bedanken.
Als Norbert Böhnke und ich uns auf ein erstes Bier trafen, um den diesjährigen
KM zu beraten und erste Planungen anzustellen, bemerkten wir nicht ohne Genugtuung,
daß es nun schon der siebente KM sein würde. Und wie ein Blitz
aus heiterem Himmel schoß mir die Redensart vom „verflixten siebten
Jahr“ durch den Kopf. Hätte ich mal nicht davon angefangen…
Um es kurz zu machen: Beim üblichen Briefwechsel mit der Stadt häuften
sich die Schreiben und Antwortschreiben und Antwortschreiben auf Antwortschreiben
mit dem Ergebnis, daß man von Seiten der einen Gebührenbescheid über
620,00 € erließ, dabei großzügig von der Erhebung der
Gesamtgebühr von 2.700 € absah.
Auf Nachfrage, warum denn ein nichtkommerzielles Fest, also eine Veranstaltung
ohne finanzielle Einkünfte, getragen vom Feierabendenthusiasmus zweier
Knoblauchsverrückter mit derart hohen Gebühren belastet werde,
erhielten wir die amtliche Antwort, der KM sei nicht von öffentlichem
Interesse.
Wir haben viel darüber spekuliert, warum.
Der Fehler besteht möglicherweise schlicht und ergreifend darin, daß das
in den Amtsstuben unserer Stadt vorherrschende Desinteresse an ehrenamtlicher
Initiative mit dem Interesse der Öffentlichkeit – das sind Sie,
meine sehr geehrten Damen und Herren – verwechselt oder gleichgesetzt
wird.
An Ihrer großen Zahl, der Vielzahl der Gäste des öffentlichen
Festes zum Knoblauchsmittwoch läßt sich eindeutig und unstrittig
das öffentliche Interesse am Knoblauchsmittwoch ermessen.
Wir behalten uns vor zu hoffen, daß im nächsten Jahr richtig einzuschätzen
und vor allem voneinander zu trennen, was für die Stadt von Interesse
ist und was nicht, jemand im Rathaus sich bereitfindet und eröffnen
den heutigen Knoblauchmittwoch in seiner ganzen wetterlichen Pracht.
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