| Christian Reuter: Schelmuffsky warhafftige curiöse und sehr gefährliche Reisebeschreibung zu Wasser und zu Lande, 1696 | ||
| Es
war gleich in der Knoblochs Mittewoche, als ich mich zum ersten mahl auf das
Wasser begab. Nun hätte ich vermeinet, die Schiffe zu Hamburg wären
groß, worauf man bey den Jungfern-Stiege pflegte spazieren zu fahren
- allein so sahe ich wohl, daß bey Altona auf der See der Tebel hohlmer
noch tausendmahl grösser waren, denn die Leute nennten sie nur die grossen
Last-Schiffe. Auf so eins satzte ich mich nun; wie ich von meinen Landsmanne
Abschied genommen hatte, schiffte ich da mit fort. Ich war kaum eine halbe Stunde auf den Wasser gefahren, so wurde mir übel und kriegte die See-Kranckheit. O Sapperment! wie fieng ich an zu speyen, daß ich auch der Tebel hohlmer nicht anders dachte, die Caldaunen würden alle aus den Leibe heraus müssen, denn es war gantz kein aufhören da und gieng immer in einen, drey gantzer Tage und Nacht zum Schiffe hinaus. Die andern verwunderten sich auch alle, wo ich so viel Zeugs hernehmen müste! Den vierdten Tag früh, als mir nun begunte allmählig ein Bißgen besser zu werden, so ließ ich mir den Schiffer ein gut Glaß mit Brantewein geben, welches so ohngefehr zwölff Maß waren. Denselben goß ich nun auf einen Schluck flugs hinein und vermeinte, es solte mir den Magen wieder zu curiren. O Sapperment! als ich dasselbe Zeug in Leib kriegte, wie fing mir wieder an übel zu werden, und hatte ich zuvor nicht gespyen, so spye ich allererst nach den Branteweine, daß auch - als ich vier gantzer Tage wieder in einen Weg gespyen - den 5. Tag drauf der Tebel hohlmer das klare Ziegen-Molcken von mir ging, welches ich von meiner Kindheit an biß in das 12te Jahr gesoffen und sich in Leibe irgendswo so lange noch müsse haben verfangen gehabt. Da solches nun aus dem Leibe auch heraus war und ich gantz nichts mehr zu speyen hatte, hieß mich der Schiffer ein gut Glaß voll Bomolie aussauffen, daß mir der Magen fein geschmeidig wieder darnach würde, welches ich auch that und soff der Tebel hohlmer wohl über 15 Kannen Bomolie auf einen Schluck in mich hinein. Den gesamten Schelmuffsky finden Sie beim Projekt Gutenberg. |
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