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Von unserer Redakteurin
Katja Pausch
Halle /MZ. So ganz geheuer war „Carolina“ die Sache mit dem
Knoblauch nicht. Gut, der Auftritt vor dem Rathaus und Bürgermeisterin
Dagmar Szabados war für die sechsjährige Eselin auch eine Premiere,
während sich ihr Gefährte „Charly“ als geübter
Korbträger gelassen zeigte. Die beiden Grautiere aus dem Bergzoo begleiteten
gestern, beladen mit dem duftenden Gewächs, mehrere Männer in Frack
und Zylinder: Zum fünften Male luden die Mitglieder der Knoblauchsmittwochs-Gesellschaft
zu einem Fest auf der Würfelwiese, das der geschmähten wie geliebten
Knolle gewidmet ist.
“Man mag ihn – oder man mag ihn nicht, aber damit schmiedet
der Knoblauch neue Allianzen, quer durch alle Parteien“, ließ Festgesellschafter
Norbert Böhnke, selbst bekennender Knoblauch-Genießer, vor dem
Ratshof verlauten, bevor er Dagmar Szabados einen randvoll mit den Zehen
gefüllten Korb überreichte – zur „Frontenverwirbelung
in der Stadtverwaltung“. Zuvor begann die Festgesellschaft vom Leipziger
Turm aus ihren Zug durch die Stadt, und noch viel früher, nämlich
bereits um 6.30 Uhr, hatten sich fünf hartgesottene Gesellschaftsmitglieder
traditionsgemäß in die Saale-Fluten gestürzt.
Bereits 1696 erwähnte der Küttener Christian Reuter in seinem
Schelmenroman „Schelmuffsky“ den Knoblauchsmittwoch, bei dem
sich fortan bis zum Verbot durch den damaligen Polizeipräsidenten 1870
das Volk bei Tanz und Speisen verlustierte, um nach der Völlerei zu
Pfingsten mit der bekömmlichen Knolle der Gesundheit Genüge zu
tun. Quasi als Wiedergutmachung eröffnete der heutige Polizeipräsident,
Walter Schumann, als Schirmherr das Fest und biss hernach tapfer in eine
Zehe.
Rund 1000 Knollen aus China – die 20 Kilogramm spendierte der Gemüsehändler
Gottbehüt – wurden an die zahlreich versammelten Hallenser verteilt,
die sich bei Knoblauchsteak und Döllnitzer Gose labten. Eine Auktion
verhalf einigen Besuchern zu einem Kochbuch mit Knoblauch-Rezepten, über
die sogleich gefachsimpelt wurde. Auf der Würfelwiese, wo bis in die
Abendstunden von Festtafel und Tanzboden rege Gebrauch gemacht wurde, gab
es indes noch eine Schiffstaufe: das Kletterwrack dort erhielt den Namen „Knofel“.
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