Tausend Knollen und ein Knofel
Gesellschaft feiert Knoblauchsmittwoch – Schwimmen in der Saale – Schiffstaufe auf Würfelwiese
8.6.06, S.9

Von unserer Redakteurin
Katja Pausch

Halle /MZ. So ganz geheuer war „Carolina“ die Sache mit dem Knoblauch nicht. Gut, der Auftritt vor dem Rathaus und Bürgermeisterin Dagmar Szabados war für die sechsjährige Eselin auch eine Premiere, während sich ihr Gefährte „Charly“ als geübter Korbträger gelassen zeigte. Die beiden Grautiere aus dem Bergzoo begleiteten gestern, beladen mit dem duftenden Gewächs, mehrere Männer in Frack und Zylinder: Zum fünften Male luden die Mitglieder der Knoblauchsmittwochs-Gesellschaft zu einem Fest auf der Würfelwiese, das der geschmähten wie geliebten Knolle gewidmet ist.

“Man mag ihn – oder man mag ihn nicht, aber damit schmiedet der Knoblauch neue Allianzen, quer durch alle Parteien“, ließ Festgesellschafter Norbert Böhnke, selbst bekennender Knoblauch-Genießer, vor dem Ratshof verlauten, bevor er Dagmar Szabados einen randvoll mit den Zehen gefüllten Korb überreichte – zur „Frontenverwirbelung in der Stadtverwaltung“. Zuvor begann die Festgesellschaft vom Leipziger Turm aus ihren Zug durch die Stadt, und noch viel früher, nämlich bereits um 6.30 Uhr, hatten sich fünf hartgesottene Gesellschaftsmitglieder traditionsgemäß in die Saale-Fluten gestürzt.

Bereits 1696 erwähnte der Küttener Christian Reuter in seinem Schelmenroman „Schelmuffsky“ den Knoblauchsmittwoch, bei dem sich fortan bis zum Verbot durch den damaligen Polizeipräsidenten 1870 das Volk bei Tanz und Speisen verlustierte, um nach der Völlerei zu Pfingsten mit der bekömmlichen Knolle der Gesundheit Genüge zu tun. Quasi als Wiedergutmachung eröffnete der heutige Polizeipräsident, Walter Schumann, als Schirmherr das Fest und biss hernach tapfer in eine Zehe.

Rund 1000 Knollen aus China – die 20 Kilogramm spendierte der Gemüsehändler Gottbehüt – wurden an die zahlreich versammelten Hallenser verteilt, die sich bei Knoblauchsteak und Döllnitzer Gose labten. Eine Auktion verhalf einigen Besuchern zu einem Kochbuch mit Knoblauch-Rezepten, über die sogleich gefachsimpelt wurde. Auf der Würfelwiese, wo bis in die Abendstunden von Festtafel und Tanzboden rege Gebrauch gemacht wurde, gab es indes noch eine Schiffstaufe: das Kletterwrack dort erhielt den Namen „Knofel“.