Privileg im Frack überreicht
Knoblauchsmittwoch: Organisatoren ehren Bäcker – Wieder Fest auf der Würfelwiese

MZ,
11.05.05, S.11

Von unserer Redakteurin
HEIDI POHLE

Halle/MZ. Herren in Frack und Zylinder gehören frühmorgens normalerweise nicht zur Kundschaft von Bäckermeister Bernd Neubauer. Gestern jedoch betraten Norbert Böhnke und Ulrich Hellem – streng nach alter Sitte der Knoblauchsmittwoch-Gesellschaft gekleidet – die Bäckerei in der Adam-Kuckhoff-Straße. Die beiden Organisatoren des wieder entdeckten Volksfestes wollten einen ihrer treuesten Partner ehren, der die Gesellschaft auf der Würfelwiese Jahr um Jahr mit Knoblauch-Brötchen
Und hier ist die Bericht-erstattung vom 19.5.05

Bäckermeister Bernd Neubauer hat das Privileg, die Knoblauchsmittwoch-Gesellschaft mit Knoblauch-Brötchen zu beliefern. Norbert Böhnke (li.) und Ulrich Hellem übergaben die Urkunde in Frack und Zylinder. Die Figur des Polizei-präsidenten, der das Verbot einst aussprach, ist das Maskottchen der Gesellschaft.
(MZ-Foto: Wolfgang Scholtyseck)

versorgt. Dafür gab es einen Privilegienbrief, den ersten, den die Gesellschaft bislang vergeben hat.

Der Meister, der die Bäckerei seit 1976 in dritter Generation führt, nahm die Ehrung erfreut entgegen: „Ich hänge das Privileg im Laden auf.“ Natürlich ist er auch mit von der Partie, wenn am 18. Mai die Neuauflage dieser uralten Tradition zum vierten Mal stattfindet. Dann wir die Knoblauchsmittwoch-Gesellschaft in Frack und Zylindern oder langen Kleidern zur Würfelwiese ziehen, um dort den scharfen Knollen zu huldigen – bei Knoblauchswurst, - brötchen, -suppe und –schnaps. Wie Norbert Böhnke sagte, werde das Fest von Bürgern für Bürger ohne Zuschüsse und Sponsoren organisiert. Niemand verdiene daran.

Vor kurzem hat Böhnke die wohl älteste Quelle gefunden, die von dem Fest berichtet. Der Dichter Christian Reuter lässt seine Schelmenfigur, den Schelmuffsky, 1696 ein Schiff in Hamburg „in der Woche des Knoblauchsmittwoch“ besteigen. Und da Reuter aus Kütten am Petersberg stammt, ist für Böhnke klar: „Es kann sich nur um das Fest in Halle handeln.“

TRADITION WIEDERBELEBT
Feier an der Saale bei Tanz und Spiel

Der Knoblauchsmittwoch war einst ein Fastentag. Ordensbrüder legten nach ausgiebiger Pfingst-Schlemmerei einen Knoblauchtag ein, den Mittwoch, um sich zu erholen. Dazu trafen sie sich auf der Würfelwiese an der Saale, spielten und aßen dabei Knoblauch – bis 1870, als die Tradition verboten wurde, weil die Parklandschaft darunter litt. 2002 wurde der Brauch wieder belebt. Diesmal wird am 18. Mai gefeiert. 17 Uhr beginnt der Festzug am Leipziger Turm, ab 18.30 Uhr locken auf der Würfelwiese Tanz und Würfelspiel.