Scharfe Zehen und Trompeten VON HEIDI POHLE |
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Mitteldeutsche
Zeitung 29.5.04, S.11 |
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| Dieses Band wirbt zur Zeit an der Neuen Residenz für den bevorstehenden Knoblauchsmittwoch. (MZ-Foto: Bettina Wiederhold) | |||||
| Halle/MZ.
Es waren einmal Ordensbrüder in Halle, die schlemmten im Mittelalter zu
Pfingsten derart, dass sie danach einen Fastentag brauchten. Der, so dachten
sie sich, lässt sich am besten mit Knoblauch überstehen. Auf der Würfelwiese
trafen sie sich, aßen die würzigen Zehen und spielten dabei. Lange
ging das gut, bis sich 1870 Mitglieder des halleschen Verschönerungsvereins
über die wilden Gesellschaften beschwerten, die die Parklandschaft an der
Saale ruinierten. Das war das Ende des Knoblauchsmittwochs. 2002 wurde der Brauch wiederbelebt. Nun steigt die dritte Auflage am 2. Juni auf der Würfelwiese. Die Knoblauchsmittwochs-Gesellschaft erwartet 500 Gäste, die sich auf allerlei Leckeres freuen können, gewürzt mit scharfen Knollen. Dazu gibt es Musik, Tanz und Spiel. Los geht es 17 Uhr am Leipziger Turm. Erstmals signalisieren Bläser vom Turm den Umzug, den die 15 Herren und Damen der Mittwochs-Gesellschaft - zünftig in Frack und Zylinder und langen Kleidern - anführen. Ein Esel trägt einen Korb voller kräftiger Knollen, die 17.30 Uhr im Rathaus abgegeben werden. "Der Überlieferung nach bleibt derjenige ein ganzes Jahr lang gesund, der an diesem Tag Knoblauch isst", erzählt Ulrich Hellem. Er hat mit Norbert Böhnke den Brauch wieder ausgegraben, beide organisieren das Fest. Auf der Würfelwiese (neben dem AOK-Gebäude am Robert-Franz-Ring) beginnt das Spektakel 18 Uhr. Stärken kann man sich mit Knoblauchsuppe und -brötchen, Knoblauch-Honig und -schnaps sowie mit gut gewürzter Wurst. Zu trinken gibt es Bier und original Döllnitzer Rittergutsgose. Dank Sponsoren gelten moderate Preise. Partner ist erstmals der Landgasthof Gieckau bei Naumburg, weil es dort, wie Hellem sagt, jeden ersten Freitag im Monat einen Knoblauch-Tag gibt. Gegenseitig wird nun füreinander und den Knoblauch geworben. Auch Eisleben spielt eine Rolle. Nach dem Festschmaus darf getanzt werden. Das Knoblauchsmittwochs-Orchester unter der Leitung von Bernhard Ullrich, einem Arzt aus dem Klinikum, spielt auf. Wer nicht tanzen mag, kann spielen: "Würfel und andere Spiele bitte mitbringen", so Hellem. Traditionell werden gegen 22 Uhr Volkslieder gesungen. Wer an der Festtafel sitzen möchte, sollte in Frack und Zylinder und langen Kleidern kommen. |
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