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Alte Tradition lebt wieder auf | Mitteldeutsche Zeitung, 4. Mai 2002 |
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| Knoblauchfest auf der Würfelwiese | ||||||||||||||
| Erstmals seit 132 Jahren feiert die "Mittwochsgesellschaft" - Polizeipräsident hebt Verbot in Versform auf | ||||||||||||||
| Von
unserer Redakteurin HEIDI POHLE |
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| Lesen Sie hier, was die Mitteldeutsche Zeitung einen Tag nach dem Fest schrieb... | ||||||||||||||
| Norbert Böhnke (links) und Ulrich Hellem auf der Würfelwiese, auf der das Knoblauchsmittwoch-Fest am 22. Mai steigen soll. Dort vergnügten sich die Hallenser schon im Mittelalter. (MZ-Foto: Jens Schlüter) | ||||||||||||||
Halle/MZ. Sie müssen
ganz schön geschlemmt haben, die Kalandsbrüder. Mehrere Tage lang,
so ist es überliefert, hätten die Mitglieder der Brüderschaft
im mittelalterlichen Halle zu Pfingsten gegessen, getrunken und gefeiert.
Und zwar so sehr, dass sie regelmäßig am Mittwoch nach Pfingsten
einen Knoblauchtag brauchten - "zur Festigung der leicht angegriffenen
Gesundheit", wie ein Chronist vermerkte. Dieser Fastentag hielt sich
in Halle auch noch, als es die Ordensbrüder schon gar nicht mehr gab.
Mehr noch - der Knoblauchsmittwoch wurde zu einer Tradition, bei der die Bürger
nicht nur reichlich Knoblauch aßen, sondern sich auch beim Würfelspiel
amüsierten - und zwar auf der Würfelwiese. |
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Wegen des Knoblauch-"Duftes"
könne das Fest nicht verboten worden sein. "Da hat es im alten Halle
viel schlimmere Gerüche gegeben - die Gerbersaale stank, und mitten in
der Stadt wurden Schweine gemästet." Wie dem auch sei. Bevor sich
die Beiden an die Organisation des Festes machten, schrieben sie an den Polizeipräsidenten
von Halle und baten um die Aufhebung des Verbots. Die Antwort von Walter Schumann
ließ nicht lange auf sich warten - in einem humorvollen, teils in Versform
gehaltenen Schreiben kam er der Bitte nach. So steht dem Fest nichts mehr im Wege. Wie der Tag ablaufen soll, schildert Ulrich Hellem, von Beruf Orchestermusiker: "Die etwa 20-köpfige Knoblauchsmittwoch-Gesellschaft wird um 17 Uhr in festlichen Kleidern sowie in Frack und Zylinder vom Leipziger Turm über den Markt bis zur Würfelwiese laufen, wo die festliche Tafel um 18.30 Uhr eröffnet wird. Zu essen gibt es, keine Frage, Knoblauch-Brötchen und Knoblauch-Knack- und Schlackwurst. Jeder zahlt, was er verzehrt. Anschließend spielt eine Kapelle zu Walzer und Polka auf. Gegen 22 Uhr setzt dann das Lied "An der Saale hellem Strand" als vierstimmiger Chorsatz einen Schlusspunkt. "Die Gäste - es kann kommen, wer will, es gelten keine Kleidervorschriften - müssen schließlich tags darauf wieder arbeiten", so Hellem. Beide wollen mit dem Fest nicht nur eine alte Tradition wiederbeleben. "Uns geht es darum, bürgerschaftliches Engagement für Halle zu wecken", erklärt der in Aachen geborene Böhnke. Deshalb sei jeder willkommen, der sich einbringen möchte. Geld verdiene übrigens niemand mit dem Knoblauchsmittwoch. |
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