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Halle/MZ. "Iiiih, das stinkt ja hier nach
Knoblauch" sagt eine Frau, schätzungsweise Mitte 60, und wedelt
demonstrativ mit ihrem parfümierten Taschentuch. Doch sie war nicht
im falschen Film. Sondern auf dem Fest, das seinen Namen eben dieser
Knolle mit dem stechenden Geruch verdankt.
Ulrich Hellem und Norbert Böhnke haben dafür gesorgt, dass
gestern erstmals seit 132 Jahren wieder ein Knoblauchfest an der Saale
- genauer: auf der Würfelwiese - gefeiert wurde. Traditionell am
Mittwoch nach Pfingsten. Als er zum ersten Mal davon gelesen habe, sei
er gleich fasziniert gewesen, sagt Böhnke. "364 Tage im Jahr
soll nichts Anrüchiges an Halle sei, aber an einem Tag - da kann
man uns schon mal riechen."
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Aus Körben voller Knollen wurden die Passanten
Stück für Stück beschenkt. Gespendet hat rund 30 Kilo
des kräftigen Gemüses Markthändlerin Heike Gottbehüt,
die seit 21 Jahren in Halle wohnt und seit 12 Jahren auf dem Obermarkt
aufbaut. "Ich habe wirklich gern gegeben. Es ist doch schön,
dass solch eine alte Tradition wieder auflebt. Halle könnte noch
viel mehr davon vertragen."
Während der Zug noch einen Abstecher zur Tagung des Stadtrates
machte und Kinder Oberbürgermeisterin Ingrid Häußler
ein Körbchen mit Knoblauch überreichten, hatten sich auf der
Würfelwiese bereits zahlreiche Neugierige versammelt. Bei manchen
kam Unmut auf, weil es schon zu diesem Zeitpunkt abzusehen war, dass
die Sitzgelegenheiten bei weitem nicht ausreichen würden. An den
Ständen mit Getränken und Speisen bildeten sich schnell Schlangen.
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Am zeitigen Abend nahm das Spektakel so richtig seinen Lauf, da drehte
sich alles um die (Knoblauch-) Zehe. Begonnen aber hatte es bereits
in aller Herrgottsfrühe, und zwar feuchtfröhlich. Ein knappes
Dutzend Wagemutiger stieg zum Anschwimmen in die Saale, die nach Schätzungen
bereits 17 Grad "warm" gewesen sein soll.
Kurz nach 17 Uhr setzte sich dann am Leipziger Turm ein Tross quer
durch die Stadt in Richtung Würfelwiese in Bewegung. Es gab zwar
- noch - keinen Beifall auf offener Szene, aber jede Menge Aufmerksamkeit.
Immerhin trugen die Herrn der Knoblauchsmittwochs-Gesellschaft Frack
und Zylinder, die Damen Abendkleider. Und die Knirpse der Kindertagesstätte
"Tierhäuschen I" hatten sich als Vampire verkleidet,
mit Ketten aus Knoblauchzehen um den Hals.
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Doch dann traf der auffällige Zug ein und der
Ärger war vergessen. Die kleinen Vampire sangen ein Loblied auf
den Knoblauch und noch manches andere. Hellem verlas voller Stolz, dass
Polizeipräsident Walter Schumann das seit 1870 bestehende Verbot
des Knoblauchsmittwochs aufgehoben hat. Böhnke gab einen kleinen
geschichtlichen Exkurs. Und der Stuttgarter Holger Schneider schließlich
las aus einer auf dem Trödelmarkt erstandenen bibliophilen Kostbarkeit
- dem dritten Jahrgang des "Halleschen Patriotischen Wochenblattes"
von 1802. Einen ersten Höhepunkt hatte das Fest, als sich die Mitglieder
der Knoblauchsmittwoch-Gesellschaft kühn ein großes Knollenstück
in den Mund steckten und dann mit Bier kräftig nachspülten.
Das war der Auftakt. Nun konnten alle Besucher essen, trinken - und
ab 20 Uhr zu den Klängen des Salonorchesters auch tanzen. Wer das
Spektakel gestern verpasst hat, sei getröstet: Es soll künftig
wieder an jedem Mittwoch nach Pfingsten stattfinden. Also dann: Nächstes
Jahr, gleiche Zeit.
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