Hans von Volkmann: Jägerbrücke und Moritzburg, 1879-1880.
In der Bildmitte ist die Westfront der im dreißigjährigen Krieg zerstörten Moritzburg zu sehen. Hier wurde Landgraf Philipp von Hessen am 19.6.1547 gefangen genommen. Die hölzerne Brücke wurde 1869 vom Verschönerungsverein errichtet. Sie verband erstmalig seit 1762 wieder die Wiese mit dem Jägerplatz. Seit 1914/17 wird der Jägerplatz mit der Wiese durch eine Stahlbetonbrücke verbunden.
Die Verbindung zwischen Jägerplatz und Würfelwiese ist von fast weltgeschichtlicher Bedeutung - ohne Übertreibung!

Gefangennahme Landgraf Philipps von Hessen

Kaiser Karl V. hatte bei Mühlberg die kurfürstlich-sächsischen Truppen in die Flucht geschlagen (24. April 1547) und Johann Friedrich von Sachsen gefangen genommen. Der Kaiser wollte sich nunmehr des Landgrafen Philipps von Hessen bemächtigen oder ihn wenigstens aus seinem Land verjagen. Die Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg und Moritz von Sachsen übermittelten Philipp eine Kapitulationsurkunde. Darin war festgelegt, dass sich der Landgraf "auf Gnade und Ungnade ergeben und einen Fußfall" (383) vor Karl V. tun sollte. Die Kurfürsten versicherten dem Landgrafen "frei, sicher, ehrlich, ungefährlich Geleit, ab und zu".

Philipp stimmte zu und ließ sich von Joachim II. und Moritz in Naumburg abholen. Am 19. Juni 1547 trafen die drei Herren im Hof der Neuen Residenz in Halle ein. Vor dem Kaiser leistete der landgräfliche Kanzler Günterrode gemeinsam mit Philipp kniend Abbitte. Abends, auf der Moritzburg, "trat nun die völlige Entwicklung dieses Ereignisses hervor." (386) Philipp wurde entgegen der Vermutung der beiden Kurfürsten als zweiter prominenter Vertreter des Protestantismus in Haft genommen.

Gefecht auf der Kohlwiese


Im kaiserlichen Feldlager hatte es am 12. Juni 1547 einen blutigen Vorfall gegeben, den Leopold von Ranke nicht erwähnt. Der Pommersche Hofsekretär Bartholomai Sastrow jedoch schrieb in seinen Erinnerungen über den Kampf auf der Würfelwiese.

Auslöser des Gefechts war ein Streit zwischen einem deutschen und einem spanischen Reitknecht. Der spanische meinte in dem Pferd des deutschen Knechts das unlängst gestohlene Eigentum seines Herrn entdeckt zu haben. Er beschuldigte den Deutschen, der sich das Pferd jedoch nicht aus der Hand nehmen lassen wollte. In kurzer Zeit sammelten sich um die beiden Streithähne spanische und deutsche Reiter. Irgendwann krachte ein Schuss, die Haufen schossen aufeinander. Die Spanier lagen auf dem Jägerberg, die Deutschen kampierten auf der Würfelwiese.

Kaiser Karl V. Versuch, die Deutschen zu beschwichtigen

Der Chronist berichtete aus zweiter Hand: "Der Kaiser schickede ein Spannischen Herrn heraus, hett ein wollgestalten Spannischen Gaul under sich, den Hals voller guldenen Ketten (...) der solt die Teutschen Reuter zufrieden sprechen, unnd den Allarm stillen." Der spanische Herr querte gerade die hölzerne Brücke über der Mühlgrabensaale, als sein Pferd von einer Kugel getroffen wurde. Der Reiter stürzte mitsamt seinem Pferd ins Wasser und ersoff ob der schweren Rüstung.

Der Kaiser befahl nun dem Erzherzog Maximilian, den Streit zu schlichten. Doch auch Maximilian kam nicht gegen die aufgebrachte Meute an.
Er wurde am Arm verletzt und trug zu dessen Schonung noch wochenlang eine schwarze Binde. Jetzt nahm der Kaiser, vor Mühlberg "ganz in blanken Waffen, mit dem rothen goldgestreiften burgundischen Feldzeichen" (...) "sehr ritterlich anzusehen", die Angelegenheit in die eigenen Hände:

"Es kam letzlich der Keyser selbst hinaus, sagt: Lieben Teutschen, ich weis, ir habet keine Schult, gebt euch zufrieden; ich will euch euwern erlittenen Schaden erstatten, unnd bei meinen Keyserlichen Ehren morgens Tages vor euwern Augen die Spannier hengen lassen." Die deutschen Reiter gaben sich zufrieden. Nach der Auszählung der Verluste, 18 deutsche und 70 spanische Soldaten waren gefallen, meinte der Kaiser, dass es einer weitergehenden Bestrafung der Spanier nicht mehr bedürfe. Sastrow lässt nicht erkennen, dass die Deutschen anderer Meinung waren.

Literatur:

Leopold von Ranke: Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation, Bd. 4, Leipzig: Duncker und Humblot, 1868
Gottl. Christ. Friedr. Mohnike: Bartholomai Sastrowen Herkommen, Geburt und Lauff seines gantzen Lebens, Bd. 2, 1824