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"A house is to live in, not to look at"
(Francis Bacon)
Die großen Häuser: Wendgräben, Hoheneck und Harleshausen |
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Vergleicht man die Grundrisse der Häuser Wendgräben, Hoheneck bei Frankenhausen (Kyffhäuser) und Harleshausen, stellt sich heraus, daß Wendgräben den nach Muthesius an ein englisches Haus zu stellenden Anforderungen nur teilweise genügte. Das Haus ist von der "geräuschvollen Welt" abgeschlossen, es möchte im Gegensatz zu Hoheneck weder "mit dem Straßenpublikum" kokettieren , noch bilden Straße, Einfahrt und Eingang eine Achse wie in Harleshausen. Zwar lag das Kinderspielzimmer nicht nach Süden, sondern nach Westen, doch waren Bibliothek und Schlafzimmer des Sohnes nach Südosten ausgerichtet. Der in englischen Häusern anzutreffende drawing-room, von Muthesius als eigentlicher Zentralpunkt des häuslichen Lebens erwähnt, fand sich in Wendgräben in der Halle. Hier faßte Muthesius die in Hoheneck und Harleshausen differenzierten Wohnbereiche (Damenzimmer, |
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Grundriß
des Erdgeschosses, Landhaus Harleshausen
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Herrenzimmer, Musikzimmer) in einem Raum zusammen. Während Muthesius in Wendgräben wie in Hoheneck das Eßzimmer gegen Osten legen konnte, mußte er doch wie in Harleshausen den Kompromiß zwischen der Abgeschlossenheit des Raumes und dem Bedürfnis nach ausreichend großen Räumlichkeiten für Gesellschaften eingehen. Die alltäglichen Mahlzeiten konnten an einem runden Tisch, von dem aus durch die Platzierung im Erker guter Ausblick gewährt wurde, eingenommen werden. Sollte das Eßzimmer festtäglich hergerichtet werden, konnten die Längsachsen der jeweiligen Räume zur Aufstellung von Tafeln genutzt werden. |
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Wie in Hoheneck und Harleshausen war Muthesius gezwungen einzusehen, daß "für deutsche Verhältnisse bauen" hieß, den Wünschen der Bauherren nach Repräsentation und Arbeitsraum nachzukommen. Hatte Muthesius im englischen Haus ein Privathaus gesehen, dem Gesellschaftszimmer und Arbeitsräume für den Herren fehlten , plante er in Wendgräben eine tatsächlich nutzbare Arbeitsbibliothek, ein großes Arbeitszimmer und zwei Sekretärsräume. Die Lösung in Harleshausen legte Wert auf die Sonderung des Arbeitsbesuches vom privaten Bereich: "Geschäftsbesuche sollen nicht durch die Halle geführt werden." In Wendgräben galt die Vorhalle als "Ouvertüre" des großen Hauses. Sie ermöglichte den Zugang zur großen Halle und von dort aus in das bis zu 21 Meter lange Esszimmer. Hoheneck hingegen wartete mit einer Zimmerflucht auf, "die westlich im Herrenzimmerkamin und östlich im Eßzimmerkamin" endete. In Harleshausen konnte sich Muthesius mit einer `englischeren´ Anordnung der Räume begnügen. Über Windfang und Halle gab es einen direkten Zugang zum Eßzimmer, ohne den privaten Wohnbereich (Musikzimmer, Wohnzimmer und Damenzimmer) zu berühren. Wenn nach Muthesius das "eigentliche Kulturzeugnis" des englischen Landhauses im Wirtschaftsteil lag, sollte ein abschließender Vergleich der Häuser aufgrund vierer Qualitätsmerkmale entscheiden, ob der Architekt in Wendgräben seinen eigenen Vorstellungen gerecht werden konnte. Anzustrebendes Oberziel war eine saubere, hygienische Küche; die Größe der Küche nach Quadratmetern stellte ein Unterziel dar. Während in Wendgräben und Harleshausen, dessen Küche nicht groß, jedoch "in der erwünschten Mannigfaltigkeit" ausgeführt wurde, Koch- und Spülvorgänge in abgetrennten |
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Grundriß
des Erdgeschosses, Herrenhaus Wendgräben
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Bereichen stattfanden, konnte in Hoheneck keine Differenzierung vorgenommen werden. Die separate Aufbewahrung von Fleisch und Konserven war in Wendgräben und Hoheneck, das einen in den Fels getriebenen Eiskeller hatte, möglich, nicht in Harleshausen. Wendgräben glänzte ebenfalls in der Bereitstellung von Wohnkomfort für Diener und Wirtschaftsvorsteherin. Hier hatte der verheiratete erste Diener, dessen Dienstraum im Erdgeschoß nahe dem Eingang lag, eine Dreizimmerwohnung mit Küche, Bad und allgemeinem "Putz- und Lagerraum" im ersten Obergeschoß. Der Wirtschaftsvorsteherin standen Wohn- und Schlafzimmer im Bereich der Hauswirtschaft (EG), in geringer Entfernung von Küche und Leutestube zu. Die Diener in Hoheneck und Harleshausen erhielten je ein Zimmer; nur in Hoheneck wurde ein Zimmer für die Wirtschaftsvorsteherin benötigt. Poseners 1979 ausgesprochenes Urteil über Wendgräben: "Es ist ein englisches Landhaus, ich meine im Programm und in der Grundrißanordnung." muß dahingehend korrigiert werden, daß Muthesius auch hier gesellschaftlichen und differenzierenden Ansprüchen genügen mußte. Einerseits durfte die "durchreichende(.) Tafel" im kombinierten Eß- und Frühstückszimmer nicht fehlen, andererseits - im Gegensatz zu Hoheneck und Harleshausen - gelang es ihm, die Anzahl der Räume im Wohnbereich des Erdgeschosses auf drei (Halle/Bibliothek/Eß- u. Frühstückszimmer) zu begrenzen. Die hier erreichte Vereinfachung im Wohnprogramm wurde im Obergeschoß kompensiert: "Für das Obergeschoß des Haupthauses war eine solche Fülle von Anforderungen gestellt, daß es sehr schwer war, alle Räume auf der doch gewiß nicht unbedeutenden Grundfläche zu schaffen." Ein zeitgenössischer Architekturtheoretiker und Kritiker, Friedrich Ostendorf, hatte Muthesius vorgeworfen, "nicht architektonisch gedacht, sondern gezeichnet" zu haben. "Er soll ihm recht gegeben, aber dazu bemerkt haben: `Leider versteht er nichts vom Grundriß.´, will sagen: vom Wohnen." |
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