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Johann Christoph von Dreyhaupt:
Pagus Neletici et Nudzici, 1.Teil, 2. Hbd.,
S.937ff
Von der Kapelle St. Nikolai in der Klaus-Strasse.
§ 1.
Die Kirche oder Kapelle St. Nikolai hat ehemals zwischen der großen
und kleinen Klausstraße und denen aus einer in die andere gehenden
beiden Quer-Gäßchen auf dem Platze gestanden, wohin nachher
des Kanzlers Timäus Haus, so jetzt des Geheimen Rats Gassers Erben
besitzen, erbaut worden. Es ist selbige eine von den ältesten Kirchen
der Stadt, und soll noch vor St. Gertruden Pfarrkirche erbaut worden sein;
wovon jedoch die Zeit, und wer sie gestiftet, unbekannt ist. Sie ward dem
Heiligen Nikolao gewidmet, und zwar ohne Zweifel deshalb, damit derselbe
die nahe dabei liegenden Salzbrunnen vor Überschwemmungen und Wasserfluten
bewahren möchte; daher dann auch von den Ausläufen der Nikolaus-Sole
alle Jahr ein großes Wachs-Licht in des Raths-Wage verfertiget, von
da mit Pauken und Pfeifen am St. Nikolaus-Abende in diese Kapelle getragen
und dem Heiligen Nikolao geopfert worden; welches nach der Reformation
abgeschafft, und die Nikolaus-Sole zu Unterhaltung des Thals und der Salzbrunnen
gewidmet ist.
§ 2.
Anno 1445 brannte diese Kapelle ganz zu Grunde ab, und tat das Feuer sonst
weiter keinen Schaden: ob sie aber wieder erbauet worden, findet sich keine
Nachricht; wiewohl sich solches durchaus vermuten lässt, weil Erzbischof
Friedrich zu Magdeburg am 21. Juli 1452 ein zum Altar St. Katharina von
denen von Kotze und von Nordhausen, als Erben Peter Baldewyns Witwe in
dieser Kapelle gestiftetes geistliches Beneficium konfirmiert, dessen Besitzer
die Ausläufte einer Pfanne Tetsch und eines Nößels Meteritz
ein alt Schock Groschen nebst einem Stübgen Frantzwein zum Erbzins
an den Probst zum Neuen Werk abgeben, auch alle Wochen 4 Messen auf solchem
Altare lesen müssen. Der letzte Besitzer dieses geistlichen Lehens,
zu der Zeit, als die Kapelle abgebrochen worden, ist M. Johann Neuhoffer
gewesen, welchen Hans Kotze zu Germersleben als Patron damit beliehen gehabt;
zu welcher Zeit auch ein Kasten vorhanden war, in welchen ein Kelch, ein
Pacifical und etliche Kirchen-Ornate verwahret gewesen, die der Rat zu
sich in Verwahrung genommen; die Einkünfte dieses geistlichen Beneficii
aber werden, nach der Reformation, von denen Herren von Kotzen zu einem
Stipendio vor Studierende verwendet.
§ 3.
Anno 1564 schenkte Erzbischof Sigismund diese Kapelle dem Magistrat zu
Halle, wozu sowohl, als in die Übergabe des Barfüßer-Klosters
zur Schule das Dom-Kapitel Anno 1567 seinen Konsens erteilte, worauf der
Rath dieselbe Anno 1569 abbrechen, und aus denen Quarter-Steinen das Claus-
oder Nikolaus-Tor, wie es anjetzo steht, in 19 Wochen erbauen ließ,
der wüste Platz aber ist verkauft und zu Erbauung bürgerlicher
Wohnhäuser angewendet worden.
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