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Napoleon
nach 200 Jahren wieder in Halle
Kaiser reitet in Saalestadt ein / Viele Zuschauer begrüßen Leipziger
Doppelgänger
Halle. Drei Tage nach der Doppelschlacht von Jena-Auerstedt eroberten die
Franzosen am 17. Oktober 1806 Halle im Sturm. Weitere drei Tage darauf kam
Napoleon persönlich in die zu Preußen gehörende Saalestadt. „Geschichte
wiederholt sich nicht, sagt man, doch nun bin ich genau nach 200 Jahren wieder
hier“, schmunzelte Napoleon-Darsteller Jürgen Standke gestern.
Wie einst der Kaiser der Franzosen ritt er mit einem prächtigen Schimmel
quer durch die Altstadt zu seinem von Gardisten bewachten Quartier im Riesenhaus.
Vor dem Gebäude erwarteten den Leipziger zahlreiche Schaulustige. „Unmittelbar
nach Napoleons Einzug kam es zu Protesten der Studenten und der Korse ließ die
Universität schließen“, erzählte Norbert Böhnke.
Die zeitweilige Schließung der Alma mater sei ein schwerer Schlag für
die 26 000 Einwohner gewesen, waren doch die rund 1000 Studenten eine ihrer
wichtigsten Einnahmequellen.
Böhnke ist Vorsitzender der Initiative für Halle und den Saalkreis
(IfHaS) und hatte das Spektakel organisiert. Die Begrüßung für
den echten Napoleon am 20. Oktober 1806 war übrigens alles andere als
herzlich. Schweigend und mit gesenkten Köpfen bildeten die Hallenser
damals das Spalier für den Franzosen-Kaiser.
Napoleon-Doppelgänger Jürgen Standke hat sich für seinen Auftritt
hoch zu Ross gut vorbereitet. „In Döllnitz bei Halle habe ich
mit dem Schimmel geübt, auch in meiner grünen Uniform, damit sich
das Pferd an mich gewöhnen konnte“, sagte der 55-Jährige.
Vor dem Riesenhaus begrüßte auch Halles Oberbürgermeisterin
Ingrid Häußler (SPD) den Gast. Sie erinnerte daran, dass Napoleons
Sieg für Halle nicht nur Not und Sorgen gebracht, sondern auch einen
historischen Wandel bewirkt hat: Die Stadt des Salzes verwandelte sich in
eine aufblühende Industriestadt des Bürgertums und der Arbeiter.
Bernd Lähne, 20.10.2006
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