Napoleon folgt Ideenbörse

HALLE (mas). Napoleon Bonaparte kommt nach Halle. Am 19. Oktober wird Jürgen Standke in den Kleidern des Franzosenkaisers einreiten, 200 Jahre nachdem sein historisches Vorbild mit 22.000 Mann die Stadt besetzte. Auf einer Ideenbörse am Mittwoch, 30. August, 18 Uhr, im Gasthof „Goldnes Herz“ können Leser an der geistigen Vorbereitung teilnehmen.

In dem halleschen Gasthaus in der Mansfelder Straße 57 möchte Norbert Böhnke, Vorsitzender der Initiative für Halle und den Saalkreis (IfHaS), mit Interessierten die Ereignisse des Jahres 1806 unkonventionell und ideenreich erörtern. Der Vorbereitung dienen kann der historische Text „Halle im October 1806“, der dem einstigen Universitäts-Kanzler August Hermann Niemeyer zugeschrieben wird und auf der Internet-Seite der Initiative zu finden ist.

Für den 19. Oktober wünscht sich Böhnke, dass möglichst viele Hallenser gegen 15 Uhr in die Große Märkerstraße kommen und die historische Szene der Ankunft Napoleons in Halle mitspielen: Nachdem die ersten Franzosen bereits am 17. Oktober Halle eingenommen und geplündert hatten, säumten die Hallenser schweigend die Straßenränder. Es herrschte eine feindliche Stimmung und einige Mutige fluchten „Hätt’ ich eine Büchse“(Hätt’ ich ein Gewehr). Den Unbill soll nun Standke ertragen. Für den Leipziger Busfahrer keine leichte Übung.

Bisher erlebte der Hobby-Napoleon nur Wohlwollen und mitunter eine fast kuriose Autoritätenhörigkeit. Dass er die Aufgabe trotzdem meistert, da ist sich Bernd Lähne, ein hallescher Journalist, der für die „Leipziger Volkszeitung“ schreibt, sicher. Er hat Standke nach Halle vermittelt. Für seinen Auftritt in Halle nimmt „Napoleon“ nun auf Gut Döllnitz Reitstunden.

Doch wie ist der 55-Jährige überhaupt zu der Napoleon-Nummer gekommen? Beim Verein Lützower Schwarze Jäger 1813 ist er organisiert und spielt historische Schlachten eigentlich auf deutscher Seite mit nach. Als seine Tochter drei Jahre alt war, wurde sein Status erstmals erschüttert. Auf ein Bild von Napoleon, das Standke in der heimischen Schrankwand stehen hatte, reagierte sie mit einem kurzen „Papa!“. Dass er Napoleon ähnlich sei, hörte er später auch von Erwachsenen. Er nahm sein Schicksal an, mühte sich zwei Jahre, eine historisch korrekt Uniform zusammenzustellen. Inzwischen ist Standke sehr gefragt und in seine Rolle voll aufgegangen.