Mittwoch, 13. August 2003, Magazin "hallo Halle"


Vorbericht über die "Eichendorff-Gedächtnis-Wanderung"
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Moderation:

"Aus dem Leben eines Taugenichts" ist wohl sein bekanntestes Werk.
Dass auch der Text des Liedes "Da steht eine Burg über`m Thale" von ihm ist, wissen schon weniger Leute.
Und um zu wissen, dass er sogar einmal in Halle studiert hat, muß man wohl schon ein ganz besonderer Fan von ihm sein.
Die Rede ist von Josef Freiherr von Eichendorff, dem zu Ehren nun eine ganz besondere Wanderung geplant ist…

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Musik: "Da steht eine Burg über`m Thale…"

Sprecher:

"Da steht eine Burg über`m Thale…" - mit diesem Lied hat er sich zumindest in Halle unsterblich gemacht: der Dichter Josef Freiherr von Eichendorff.
Und über`m Thale sozusagen erinnert auch eine Steinbank an ihn.
Genau der richtige Ort, etwas über eine Wanderung zu erfahren, die ihm zu Ehren stattfinden soll…

O-Ton Norbert Böhnke:

"Die große Eichendorff-Gedächtnis-Wanderung soll 2005 stattfinden.
Wir sind darauf gekommen im Rahmen der Vorbereitung einer Stadtführung. Wir bieten hier als IfHaS in Halle Stadtführungen an und haben festgestellt, Josef von Eichendorff war hier in Halle, hat hier studiert.
Und haben ebenfalls geseh`n, dass er von Halle zum Brocken gelaufen ist.
Von Halle bis Ballenstedt mit der Kusche, von Ballenstedt dann zu Fuß zum Brocken.
Und da haben wir uns gesagt: "Das könnten wir doch mal nachmachen!"
Wir könnten dadurch auf Halle ein wenig aufmerksam machen. Wir könnten die alte Route wiederbeleben - es sind in den letzten 300 Jahren tausende von Studenten nach dem Brocken von Halle aus gelaufen."

Sprecher:

Auf Eichendorffs Spuren geht es also bis zum Brocken.
Allerdings eben erst 2005 - wenn sich die Reise des damaligen Jurastudenten Eichendorff von der Saalestadt zum Harzgipfel zum 200. mal jährt.
Dieses und nächstes Jahr wird sozusagen zum trainieren genutzt.


O-Ton Norbert Böhnke:

"So isses!
Wir haben zwei so genannte Aufwärm-Wanderungen vorgeschaltet.
Im kleinen Kreis: das ist einmal Herr Genzel und meine Person - wir sind also zu zweit.
Das ist der harte Kern, der auch die Aufwärm-Wanderungen vorbereitet hat.
Wir sind also die Strecke abgelaufen - wir kennen die Strecke mittlerweile sehr gut - und wir laden auch herzlich dazu ein, sich an dieser Aufwärm-Wanderung zu beteiligen.
Treffpunkt am Halleschen Hauptbahnhof - von dort geht es mit dem Zug nach Ballenstedt - von Ballenstedt aus zu Fuß über Friedrichsbrunn und Elbingerode zum Brocken.
Wir übernachten also zweimal … man muß sich selbst um Unterkunft bemühen, das dürfte aber kein Problem sein."

Sprecher:

Am Freitag geht's also los!
Und nicht nur Wandern und die Schöne Gegend genießen steht auf dem Programm der zwei Hallenser - auch die Werbetrommel soll kräftig gerührt werden.

O-Ton Norbert Böhnke:

"Das ist richtig!
Unsere Aufgabe bei den Aufwärm-Wanderungen ist es die Region - die gesamte Region daraufhin zu weisen, dass dieser sehr, sehr wichtige Dichter der Romantik hier in Mitteldeutschland war und diese sehr schöne Strecke gelaufen ist - so dass wir unterwegs in Ballenstedt, in Friedrichsbrunn, in Elbingerode die Leute auf unsere Wanderung hinweisen.
Und wir wollen auch, dass die Leute von ihren Orten aus, sich uns anschließen. Das heißt also: von Halle aus sollte der Zug derjenigen, die mitwandern immer größer werden.
Und das hoffen wir natürlich auch für 2004 und 2005."

Sprecher:

Als Belohnung winkt nach drei Tagen dann hoffentlich ein atemberaubender Blick vom Brocken auf das Umland.
Doch nicht nur das - ein echter Hallenser unternimmt so eine Tour natürlich nicht, ohne entsprechend auf sich aufmerksam zu machen.
Und so wird, wenn alles klappt, am Ende der Wanderung die hallesche Stadtfahne auf dem Gipfel wehen.

(Redaktion: Dirk Wegener / Kamera: Andreas Döhle / Schnitt: Dirk Wegener)

Freitag, 15. August 2003, Magazin "hallo Halle"


Zwischenbericht über die "Eichendorff-Gedächtnis-Wanderung"
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Moderation:

Versprochen ist versprochen - liebe Zuschauer!
Nachdem wir Ihnen am Mittwoch versprochen hatten, dass wir Sie über die Eichendorff-Gedächtnis-Wanderung zum Brocken auf dem Laufenden halten, ist es heute an der Zeit, unser Versprechen einzulösen.
Denn heute endlich sollte es losgehen - und das Ganze in Ballenstedt…

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Sprecher:

Freitagmorgen - kurz nach acht - Bahnhof Ballenstedt.
Hier soll er nun beginnen, der Testlauf für die große Eichendorff-Gedächtniswanderung von Halle zum Brocken.
Und Norbert Böhnke ist wie angekündigt auch nicht mehr allein.
Er wird begleitet von Olaf Genzel.
Der Hallenser hatte aus der Zeitung von dem Vorhaben erfahren und ist seither mit vollem Einsatz dabei…

O-Ton Olaf Genzel:

"Ja, einerseits wandere ich sehr gerne - ich bin zwar auch viel mit dem Fahrrad unterwegs….
Aber wie gesagt: Wandern im Harz ist immer eine angenehme Sache.
Ich hatte im Wochenspiegel eine Annonce des Herrn Böhnke gelesen, wo noch Organisatoren für eine große Eichendorff-Gedächtnis-Wanderung gesucht wurden und ich dachte, dass ich das Wandern verbinden kann mit dieser literarischen Geschichte - mit Eichendorff.
Ich hab dann Kontakt zu ihm gesucht und gefunden und wir haben diese Wanderung dann entsprechend vorbereitet und ich freue mich, dass es heute richtig losgeht!"

Sprecher:

Nachdem man für die Strecke von Halle nach Ballenstedt auf Bus und Bahn zurückgegriffen hatte, sollte nun endlich gewandert werden.
Doch zuvor stand noch ein Besuch auf Schloss Ballenstedt auf dem Programm.
Den Wanderern zur Ehre gab sogar ein Mann den Fremdenführer, der sich mit der Geschichte des Harzstädtchens bestens auskennt: der langjährige Bürgermeister Wolfgang Gurke.
Doch dass Joseph von Eichendorff einmal in Ballenstedt war, war sogar ihm neu…

O-Ton Wolfgang Gurke:

"Nein, das hab ich leider nicht gewusst - erst als das an mich herangetragen wurde.
Aber ich find das alles sehr schön und das wird mir Anlass geben, mich damit ein bisschen näher zu beschäftigen."

Sprecher:

Nach seiner Pensionierung als Stadtoberhaupt widmet sich Wolfgang Gurke heute ganz dem Schloss in Ballenstedt.
Und in diesem steckt inzwischen so mancher Tropfen Herzblut.

Keine Frage, dass er die touristischen Chancen einer Eichendorff-Wanderung sofort erkannt hat…

O-Ton Wolfgang Gurke:

"Ich denke, wir brauchen alle ein bisschen Werbung und dieses Schloss ist ja askanischen Ursprungs und das würd` ich ganz toll finden.
Vielleicht könnte man das mit Wilhelm von Kügelgen auch noch ein bisschen verbinden und können auch ihn etwas mehr popularisieren.

Ich finde die Idee hervorragend und ich verspreche als Vorsitzender des Schloss- und Schlossparkvereins, dass wir Sie da sehr unterstützen und wenn wir da was Vernünftiges zusammen machen können hilfts uns beiden…"

Sprecher:

Joseph von Eichendorff jedenfalls hielt sich nicht allzu lange in Ballenstedt auf - und das wollten auch Norbert Böhnke und Olaf Genzel nicht.
Schließlich hat man noch den langen Weg über Gernrode und Mägdesprung nach Friedrichsbrunn vor sich.

Doch da keine Kostverächter - hielten sich die Beiden vorher doch noch einmal ganz genau an die literarische Vorlage…

Rezitation:

"Auf der herrlichen Chaussee… …froh und wohlgemut unsere Fußreise an."


Sprecher:

Dann gings aber wirklich los… und wir sagten den beiden "Tschüss!"- bis Sonntag.

Eine Erfahrung Eichendorffs möge den zwei Wanderern auf ihrem Weg allerdings erspart bleiben: der Dichter hatte sich nämlich seinerzeit des öfteren verlaufen…


(Redaktion: Dirk Wegener / Kamera: Thomas Jäkel / Schnitt: Dirk Wegener)

Montag, 18. August 2003, Magazin "hallo Halle"


Abschlußbericht über die "Eichendorff-Gedächtnis-Wanderung"
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Moderation:

…unsere zwei Wanderer - die waren drei Tage unterwegs.
Wir haben Sie dabei begleitet - vielleicht haben Sie es ja gesehen.

Gestern - gestern endlich sind sie angekommen und natürlich war auch da ein Kamerateam von uns dabei…

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Sprecher:

Das Wandern ist des Müllers Lust… aber wie wir inzwischen wissen, nicht nur des Müllers sondern auch des Dichters und des Hallensers.

Und so stand am Sonntag die dritte und letzte Etappe der so genannten Eichendorff-Gedächtniswanderung von Halle zum Brocken auf dem Programm.

Nach zwei Tagen auf Schusters Rappen waren Norbert Böhnke und Olaf Genzel inzwischen in Elbingerode angekommen - und die Stimmung war nach wie vor gut.


O-Ton Norbert Böhnke:

"Es war sehr schön, wir hatten durchgehend gutes Wetter, die Wege waren gut.
Es war natürlich ach anstrengend - gerade die letzte Tour gestern von Friedrichsbrunn über Thale und Blankenburg nach Elbingerode war sehr anstrengend.
Es waren mindestens 40 Kilometer - Ausfälle hat`s nicht gegeben."

Sprecher:

Die letzten Kilometer bis zum Ziel brauchten die beiden Hallenser dann auch nicht mehr allein zurücklegen.
Familie Beiße aus Elbingerode gesellte sich - inklusive Hundedame - zu ihnen.

O-Ton Helmut Beiße:

"Wir haben das aus der "Volksstimme" erfahren und das fanden wir also richtig interessant, dass Flachlandwanderer aus Halle hier in den Oberharz gekommen sind.

Wir sind eigentlich organisiert - wir sind von den Wanderfreunden Ilsenburg und wir finden Elbingerode für Flachlandtiroler interessant, weil Elbingerode schon eine gewisse Höhe vorgegeben hat und das ist wahnsinnig interessant von Elbingerode zum Brocken zu wandern."

Sprecher:

Und hier sollte es schließlich hingehen: auf den Brocken.
Höchster Gipfel im Norden Deutschlands und seit je her eines der beliebtesten Ausflugsziele im Harz.

Das Wetter jedenfalls spielte mit und so warteten strahlender Sonnenschein, ein Postkartenhimmel und eine phantastische Fernsicht von rund 50 km auf die Eichendorff-Gedächtnis-Wanderer.

Kurz vor halb eins war es dann soweit: die vier wackeren Wandersleute erreichten den Brockengipfel.
Hans Steinhoff persönlich, seines Zeichens dreizehnter Brockenwirt, begrüßte die kleine Schar und gefeiert wurde der gelungene Aufstieg natürlich mit dem Harzer Nationalgetränk "Schierker Feuerstein".

Und dann kam er endlich, der große Moment… majestätisch entfaltete sich die hallesche Stadtfahne im warmen Brockenwind…
Entsprechend euphorisch auch das Fazit des Organisators…

O-Ton Norbert Böhnke:

"Die hallesche Fahne hat, meines Erachtens erstmalig in der halleschen Stadtgeschichte, auf dem Brocken geweht.
Wir sind glücklich hier angekommen zu sein. Wir glauben, dass Eichendorff genau dasselbe getan hätte - er hatte keine Fahne dabei, konnte das nicht machen.

Und so haben wir das eben dann 198 Jahre später gemacht - für ihn und in Gedenken an ihn."

Sprecher:

Neben den Eindrücken und der Freude nehmen die beiden Hallenser natürlich auch handfeste Erkenntnisse mit nach Hause - Erkenntnisse, die dem zweiten Testlauf im nächsten Jahr zu Gute kommen werden.

O-Ton Norbert Böhnke:

"Die nächste Brockenwanderung wird mehrere Stationen haben - mehr als jetzt.
Wir werden mehrmals übernachten.
Wir werden aber auch im nächsten Jahr - also 2004 - von Halle aus loslaufen und werden dann Station in Eisleben, Mansfeld, Ballenstedt, Blankenburg und in Elbingerode haben - das heißt, wir werden dort nächtigen.
Und dann von Elbingerode - genauso wie heute - den Aufstieg zum Brocken wagen."

O-Ton Olaf Genzel:

"Sicherlich gab es Erkenntnisse - für mich konkret.
Und die möchte ich eigentlich als Erfahrung weitergeben: Unbedingt eingelaufene Schuhe anziehen.

Alles Andere führt zu furchtbaren Blasen…"

Sprecher:

Der Rest ist schnell erzählt…
Viel Zuspruch haben die Zwei auf ihrem Weg von Halle zum Brocken erfahren. Ob es allerdings mehr als Lippenbekenntnisse waren, wird man im nächsten Jahr sehen.

Unsere zwei wackeren Wandersleute jedenfalls träumten nach den ganzen Strapazen nur noch von einem… einem Fußbad und ihrem heimatlichen Bett


(Redaktion: Dirk Wegener / Kamera: Jörg Wagner / Schnitt: Dirk Wegener)