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Vor
100 Jahren: Amtsantritt von Oberbürgermeister Rive
Von Dr. Walter Müller, 2.4.06
Am 3. November 1905 durch die Stadtverordneten gewählt, trat der am
26. Dezember 1864 in Neapel geborene Richard Robert Rive am 1. April 1906
das Amt als Erster Bürgermeister (Ernennung zum Oberbürgermeister
am 24. Februar 1908) an, wobei die offizielle Amtseinführung am 2.
April erfolgte. Zuvor war er nach dem Jurastudium und der Promotion seit
1893 als Rechtsanwalt und Notar in Breslau tätig gewesen sowie von
1899 bis 1905 als besoldeter Stadtrat im Dienst der schlesischen Hauptstadt.
Bereits in seiner Antrittsrede legte Rive seine Zielvorstellungen dar: „Zahlreich
und gewaltig sind die Aufgaben, welche die Gegenwart den Städten stellt.
Die Industrie, der Handel, der Verkehr, Kunst und Wissenschaft, die ganze
Entwicklung des modernen Geistes- und Wirtschaftslebens drängt die
Menschen in Massen nach den Städten, wie es noch vor einen halben
Jahrhundert auch der hellsehende Kenner von Staat und Gesellschaft nicht
vorausgesagt hätte. Jetzt heißt es großstädtisch
handeln, großstädtische Finanz-, Verkehrs- und Sozialpolitik
mit ihren tausendfältigen Gedanken, Sorgen und Bedenken pflegen.“
Oft gegen den harten Widerstand der verschiedenen Interessengruppen der
Stadtverordnetenversammlung gelang es Rive, das bei seinem Amtsantritt
vorgefundene Stadium des Niedergangs in Halle zu beenden und seine weitreichenden
Pläne nach und nach durchzusetzen. So entstanden moderne Bauten für
die kommunale Wirtschaft. Er modernisierte die Stadtverwaltung, setzte
den Ankauf der beiden Straßen(bahn)gesellschaften durch, erwarb für
die Stadt noch vor 1914 unter anderem die Burg Giebichenstein, den Amtsgarten,
die Klausberge, die Brandberge, Reichardts Garten und 1929 die Dölauer
Heide. In seiner Amtszeit wurde der Reilsberg mit dem 1901 gegründeten
Zoo angekauft und ausgebaut, der Flughafen Halle-Leipzig eröffnet,
das Stadtarchiv, das städtische Kunstmuseum in der Moritzburg, die
Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein sowie das Stadttheater großzügig
gefördert.
Nach zweimaliger Wiederwahl wurde Rive beim Ausscheiden wegen Erreichens
der Altersgrenze am 31. März 1933 auf Antrag der Stadtverordnetenversammlung
und Magistratsbeschluss vom 9. August 1932 das Ehrenbürgerrecht verliehen.
Da er zum NS-Regime eine distanzierte Haltung einnahm, wurde nach der nationalsozialistischen
Machtübernahme „von einer Ausstellung des Ehrenbürgerbriefes
zunächst Abstand genommen“ und die Ernennung zum Ehrenbürger
in der Öffentlichkeit tot geschwiegen. Schon am 23. Mai 1945 gab der
damalige Oberbürgermeister, Prof. Lieser, Anweisung, nun endlich den
Ehrenbürgerbrief für ihn anfertigen zu lassen. Am 12. August
1945 wurde die durch die Werkstätten der Burg Giebichenstein angefertigte
Urkunde feierlich überreicht.
Der als Mitglied des Preußischen und Deutschen Städtetages zu
den bedeutendsten Kommunalpolitikern in der ersten Hälfte des 20.
Jahrhunderts zählende Rive starb am 23. November 1947 in Halle und
wurde in der Familiengrabstätte auf dem Friedhof in Berlin-Lichtenberg
beigesetzt. In seiner Amtszeit beeinflusste er mit vorausschauender Kommunalpolitik
und seinem erfolgreichen Wirken auf wirtschaftlichem, kulturellem und sozialem
Gebiet entscheidend die Entwicklung der Stadt zu einem großstädtischen
Gemeinwesen.
An den mit 27 Dienstjahren am längsten tätig gewesenen hallischen
Oberbürgermeister erinnert seit 1998 eine Stele mit einem Bronzeporträt
an dem seit 1992 wieder (wie schon von 1945 bis 1958) seinen Namen tragenden
Rive-Ufer.
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