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Vorlesungsbesuch
Spenglers in Halle (1899-1901),
München (WS 01/02, SS 02) und Berlin (WS 02/03)
Ausgewählte Lehrveranstaltungen
Immatrikulation am 20.10.1899 in den Fächern
Mathematik und Naturwissenschaften
WS 1899/1901
Über die Eiszeiten und die erste Ausbreitung des Menschengeschlechts
(von Fritsch)
Logik mit Einschluß der Theorie der Induktion
(Riehl)
Über das empirische Verhältnis von Leib und Seele
(Vaihinger)
SS 1900
Psychologie
Philosophische Übungen
Das moderne Drama
(Riehl)
Die moderne deutsche Lyrik
(Schultze)
Freiheit des Willens
(Husserl)
WS 1900/01
Mineralogie
(Luedecke)
Zoologie
(Grenacher)
SS 1901
Zoologie
(Grenacher)
Physiologie der Menschen
(Bernstein)
Psychologie
Philosophische Übungen über Kants Prolegomena
(Riehl)
Kritische Geschichte der deutschen nachhegelschen Philosophie
(Haym)
Geschichte der Philosophie
(Husserl)
„Hinsichtlich seines Verhaltens ist Nachtheiliges
nicht zu bemerken.“ (1.8.01)
WS 1901/02 + SS 1902
Die Lehre vom Gelde und der heutige Stand der Währungsfragen
(Sinzheimer)
Nationalökonomie als Wissenschaft
(Brentano)
Psychologische Seminar
(Lipps)
„
Hinsichtlich seiner Führung während dieser Zeit ist
Nachtheiliges nicht bekannt geworden.“ (21.7.1902)
WS 1902/03
Psychologisches Institut
(Stumpf)
„
Hinsichtlich seines Verhaltens auf der hiesigen Universität
ist Nachteiliges nicht zu bemerken.“
(13.3.1903)
Begutachtung der Disseration durch Riehl (15.5.1903)
Der Verfasser hat ohne
Zweifel mit der vorliegenden Abhandlung eine Probe seines Talents gegeben.
Um auch eine durchaus sichere Probe seiner wissenschaftlichen
Durchbildung und seines Könnens zu geben, dazu lag das Thema seinen
Studien zu ferne.
Es fehlt seiner Arbeit nicht an geistreichen Bemerkungen
im Einzelnen und das Ganze zeugt von Gewandtheit der Darstellung und einer
lebendigen Anteilnahme
an dem Gegenstande.
Aber die Ausführung ist doch zu skizzenhaft geblieben und wo der Verfasser
neue Aufstellungen versucht, läßt er es an einer genügenden
Begründung fehlen.
Er behauptet in der Einleitung, daß kein Begriff der späteren
(von ihm als „europäisch“ bezeichneten) Philosophie mit
einem Begriff der „griechischen“ Philosophie sich vollständig
decke, was offensichtlich eine Übertreibung eines an sich nicht unrichtigen
Gedankens ist. Daraus soll sich nun die Aufgabe herleiten, den Grundgedanken
Heraklits „genetisch-psychologisch“ klar zu legen.
Von der Neuheit
dieser Aufgabe hat der Verfasser offenbar eine falsche Vorstellung und wenn
er zur Lösung derselben sich J. Burckhardt zum Führer
wählte, so ist dagegen zu erinnern, daß die griechische Kulturgeschichte
zwar ein ideenreiches Buch ist, aber als Quelle wohl nicht brauchbar erscheint.
Viel (unleserlich) übrigens der Verfasser aus Burckhardts Kulturgeschichte
nicht zu entnehmen; von den „psychischen Voraussetzungen“ Heraklits
weiß er nur die aristokratische Abstammung und Gesinnung, auch von
den allgemeinen Kultur(unleserlich) nur den `Agon´ zu erwähnen.
Einen Versuch, in die Persönlichkeit Heraklits einen tiefen Einblick
zu gewinnen, hat der Verfasser nicht unternommen.
Die Fragmente zitiert er nach J. Bywater, Diels kennt er nicht; auch sonst
sind seine Literaturangaben unzureichend. Von dem lógos meint er,
das relativ häufige Vorkommen des Ausdrucks in den Fragmenten erkläre
sich daraus, daß die Kirchmeister das Wort bevorzugt hätten, um
die entsprechende (?) christliche Idee zu beleuchten? Und doch rühren
von den 10 Fragmenten, in denen das Wort logos erscheint, nur 2-3 von den
Kirchenvätern her. Über den Begriff des Maßes bei Heraklit
fehlt jede genaue Untersuchung.
Und der Auffassung, die der Verfasser von
dem materiellen Substrat des Werdens gibt, kann man nur mit großer Einschränkung zustimmen. Wenn er
das (unleserlich) zu einer „Erscheinung“ des (unleserlich) machen
will, so vergißt er seine eigene methodologische Maxime, Begriffe der
späteren Philosophie nicht in eine so altertümliche Weltanschauung
hineinzutragen.
Wenn ich mich trotz dieser schweren Mängel und Gebrechen der Abhandlung
nicht für deren unbedingte Ablehnung ausspreche, so bestimmt mich dazu
die Erwartung, daß es dem Verfasser doch noch gelingen werde, durch
Berichtigung und Ergänzung der vorliegenden Arbeit aus ihr eine annehmbare
Dissertation zu gestalten. Ich wiederhole, seine Schrift beweist Begabung
und ernstes Streben und ich stelle daher den Antrag, dem Verfasser eine Umarbeitung
seiner Dissertation zu gestatten.
Begutachtung der umgearbeiteten Dissertation
durch Riehl (16.7.1903)
Die vorliegende Neubearbeitung hat den gerügten Mängeln der ersten
Darstellung beinahe völlig abgeholfen. Sie ist überdies viel eingehender,
daher auch, dem Umfang nach gewachsen im Vergleich zu der früheren Bearbeitung.
Insbesondere wird jetzt der Begriff des Logos in Zusammenstellung mit den übrigen,
die Gesetzlichkeit des Flußes (?,NB) bezeichnenden Termini richtig
erfaßt, wenn auch hier noch eine weitere Vertiefung zu wünschen
bleibt. Über die Bedeutung des Feuers bei Heraklit ließe sich
mit dem Verfasser streiten, in der Bemühung, für Heraklit eine
von den Stofflehren verschiedene Position zu behaupten, ist der Verfasser
offenbar zu weit gegangen. Auch erwähnt er den wichtigen Satz (drei
griechische Wörter) nur beiläufig in einer Anmerkung nicht im richtigen
Zusammenhang. Trotz dieser noch nicht gehobenen Bedenken kann die Abhandlung
des Kandidaten nunmehr als specimen eruditionis et diligentiae der Fakultät
zur Annahme empfohlen werden.
Rigorosum (1.8.1903)
Physik: „...allenfalls mäßig lobendes Gesamtprädikat.“ (Dorn);
Chemie: „...aber einem lobenden Prädikat kann ich nicht beistimmen.“ (Volhard);
Philosophie (Hauptfach): Gesamtwertung. „nicht bestanden“ (Riehl)
Wiederholung
(15.12.1903)
Chemie: „...Kenntnisse genügend, reichen für lobendes Prädikat
aber nicht aus“ (Volhard); Physik: „allerhöchstens cum laude“ (Dorn);
Philosophie: Gesamtwertung: „bestanden, ohne lobendes Prädikat“ (Riehl)
Quelle:
Promotionsvorgang Oswald Spengler, Dekanatsakten der Philosophischen Fakultät,
Archiv der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
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